Ressourcenverteidiger ganz zahm

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Akuma (der black & tan Shiba) war ein sehr extremer Ressourcenverteidiger (auch Futteraggression gegenüber Menschen war sehr stark ausgeprägt, blutige Bisse inklusive).

Ganz ohne (körpersprachliche) Bedrohung, ohne Ermahnungen, ohne Schimpfen oder sonstige Strafen, nur mit Clickerei ist es heute für ihn möglich neben Yoma eine Kaustange zu fressen. Und das auch noch völlig entspannt.
Dazu habe ich jede Interaktion mit Futter geclickert, von der größtmöglichen Distanz. Noch heute füttere ich beide Hunde so, dass Akuma Yoma im Blick dabei hat. Er wird dann häppchenweise mit einem Click gefüttert.

Akuma leidet am Deprivationssyndrom, was seine Lernfähigkeit auf einen anderen Fokus verschiebt; er braucht mehr „Auffrischungen“ und auf Strafen reagiert er nicht bzw. nur auf den unangenehmen Reiz. Er kann keine Lehre daraus ziehen bzw. die Strafe mit seinem „Fehlverhalten“ verknüpfen.

Hinzu kommt, dass er keinerlei Geschwister hatte und als Einzelhund das Teilen auch nicht gelernt hat.

Es ist zwar noch lange nicht perfekt, aber mich freut das Ergebnis nach einem Jahr langen Übens sehr.

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Grundsätzliches

Damit wir uns von Anfang an nicht falsch verstehen, kläre ich ein paar „Basics“ ab.

Ich bin zwar eine Leckerlitante, und bin es mittlerweile sehr gerne, aber ich möchte betonen, dass das Ganze nichts mit „Futterautomat“ oder „Konditionierungsdrill“ zu tun hat.

Konditionierung, was ist das?
Um es ganz einfach zu halten: Es ist Lernen. Sie begegnet uns jeden Tag. Uns wurde seit frühster Kindheit beigebracht, Danke zu sagen, wenn wir etwas bekommen. Heute tun wir es, ohne darüber nachzudenken.
Der Hund lernt über z.B. Leckerlis, dass Sitz ein toller Trick ist und führt ihn auf Signal aus.

Klassische Konditionierung und operante Konditionierung
Die operante Konditionierung begegnet uns immer dann, wenn wir Verhaltern fördern oder mindern wollen und gleichzeitig konditionieren wir auch noch klassisch, meist ohne es zu merken. Hunde verknüpfen blitzschnell, ob sie sich bei Übungen gut oder schlecht fühlen. Dabei sind sie sehr situativ. Orte, Menschen und Hunde werden mit diesen Emotionen assoziiert.
Deshalb: Strafreize am besten vermeiden!

Die vier Quadranten der operanten Konditionierung
Verstärkung bedeutet, dass das Verhalten künftig öfter auftritt:
Positive Verstärkung: Zufügen eines angenehmen Reizes
Negative Verstärkung: Wegnahme eines unangenehmen Reizes

Bestrafung bedeutet, dass das Verhalten künftig seltener (bis gar nicht) auftitt:
Positive Strafe: Zufügen eines unangenehmen Reizes
Negative Strafe: Wegnahme eines angenehmen Reizes

Warum nicht alle Quadranten nutzen?
Es ist wohl äußerst nachvollziehbar, dass das Zufügen von unangenehmen Reizen nicht wirklich vertrauensförderlich ist, besonders wenn dies täglich geschieht. Dass korrektes Strafen dazu unheimlich schwierig ist, muss gesondert abgehandelt werden. Um ein Hundeverhalten optimal negativ zu verstärken, muss dieser Kontakt zu einem unangenehmen Reiz haben. Je schlimmer sich der Hund fühlt, desto stärker ist die Erleichterung, wenn man diesen Reiz entfernt. Deshalb sind negative Verstärkung und positive Strafe recht gut kombinierbar.
Bin ich in einer Situation, die Management erfordert, ohne dass ich geplant habe, den Hund mit einem unangenehmen Reiz zu konfrontieren, kann ich das Entfernen als sogenannten funktionalen Verstärker nutzen. So belohne ich den Hund mit dem, was er gerade am liebsten möchte.
Bei der negativen Strafe scheiden sich die Geister. Richtig angewendet, ist sie meiner Meinung nach gewaltfrei und fair, weil sie die logische Konsequenz aus einem Verhalten darstellt. Als Beispiel. Obwohl ich versuche, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, kann es vorkommen, dass manche Hunde sich in Rage spielen. Die logische Konsequenz wäre, das Spiel dann an dieser Stelle abzubrechen. Sobald der Hund sich beruhigt, zeige ich ihm, wie er richtig spielt bzw. baue es behutsam auf.
Zwar wird das Ignorieren des Hundes auch gern als negative Strafe verkauft, allerdings empfinden es viele Hunde als schlimm, wenn ihre Bezugsperson so tut, als existiere der Hund nicht mehr. So wird aus der vermeintlich gewaltlosen Strafe schnell eine seelische Tortur.

Grenzen setzen ohne Strafreize?
Auch wenn gerne behauptet wird, so ein bisschen Bedrohen stelle doch etwas Natürliches für einen Hund dar und der Hund brauche schließlich (dadurch) Grenzen, warten die meisten Menschen geradezu auf einen Fehler des Tieres, der dann abgestraft wird. Natürlich „stirbt“ ein Hund nicht von einem strengen Nein, allerdings verpasst man es gerne, dem Hund zu sagen, was er stattdessen tun soll. Und wenn man einen Strafreiz setzt, um dann ein Alternativverhalten abzufragen, könnte man sich rein theoretisch den vorangegangenen Strafreiz sparen – ganz besonders, wenn dieser keine logische Konsequenz ist.
Das muss man als Hundehalter aber erstmal verinnerlichen und auch üben. Mit der Zeit wird dies dann auch konditioniert und man greift automatisch nicht mehr (so oft) zum Strafreiz.

Die angebliche Natürlichkeit
Hunde kommunizieren untereinander schließlich auch nicht mit Leckerlis!
Nein, das tun sie nicht. Allerdings verlangen sie vom Artgenossen kein Sitz, kein Bei Fuß, keinen Rückruf. Und sie drücken viel mehr ihre eigenen Befindlichkeiten aus, als den anderen zu „erziehen“. Es geht ihnen nicht um das korrekte Verhalten des Gegenübers, sondern um ihre eigenen Bedürfnisse. Nervt sie ein anderer Hund und versteht der ihre Konfliktlösungen durch Körpersprache („Beruhigungs-/Beschwichtigungsgesten“) und Warnungen nicht, kann der entnervte Hund körpersprachlich sehr klar werden. Durch Rempeln, Abschnappen und sehr unangenehme Drohung. Künftig wird ein schlauer Hund diesen Hund entweder ganz meiden oder aber bei der kleinsten Ansage das Verhalten abbrechen (das ist übrigens eine Art konditionierter Strafreiz. Folgt auf ein strenges Nein ständig eine unangenehme Konsequenz, kann das „Nein“ zum Signalwort für die Strafe werden – und genau dann wird das „Nein“ problematisch und kann zum Vertrauensbruch führen. Berühmtes Beispiel ist der Zischlaut von Cesar Millan!). Der Mensch interpretriert dieses Meideverhalten dann als erfolgreiche Erziehung. Dabei wird aber das unerwünschte Verhalten sehr wahrscheinlich nur unterdrückt. Es ist noch da, nur nicht mehr sichtbar.
Der Hund wird eine körpersprachliche Ansage eines Artgenossen nicht als Trauma empfinden und unterdrückt bei diesem Hund sein Verhalten, bei allen anderen Hunden wird er aber dennoch weitehin sein altes Verhalten zeigen. Er müsste also vom Großteil der Hunde diese Erfahrung machen.
Und denken wir an die klassische Konditionierung. Wer weiß, ob der gestrafte Hunde nicht anfängt, Fremdhunde als doof zu empfinden?
Ein Umgang mit dem Hund ohne mindestens einen Quadranten ist nicht möglich. Trainer, die sich brüsten, dass sie kommunizieren statt konditionieren, haben also de facto keine Ahnung von Hundetraining. Auch sie bedienen sich der Konditionierung, an ihr kommt man nicht vorbei.
Der Einwand, dass es auch noch andere Arten des Lernens gibt, wird dann hervorgekramt, um den Wattebauschwerfer (ich nutze das Wort absichtlich) zu diskreditieren. Selbst wenn der Hund beispielsweise durch das Beobachten eines anderen Hundes etwas lernt, behält er es nur bei, wenn es sich lohnt bzw. wird verworfen, wenn es sich nicht lohnt. Am Ende steht sie also doch, die böse Konditionierung.

Zur eindeutigen Kommunikation nutze ich deshalb den Clicker. Er ist ein Markersignal („Das hast du gut gemacht!“) – als konditionierer Verstärker wird er mit allerlei tollen Dingen verknüpft und so lässt er sich auch in der Emotionsebene gut nutzen. Er ist als Sekundärbestärker ein Versprechen auf die Belohnung (Primärbestärker) und eine Brücke zwischen Raum und Zeit. Man kann auf Distanz belohnen, ohne zeitlich Lichtgeschwindigkeit erreichen zu müssen (wir denken daran, dass Verhalten sofort belohnt werden muss!). Auch kann ich mir Zeit lassen, nach einem Leckerli zu kramen.
Der Click (alternativ ein gesprochenes Wort, das „Markerwort“) ist eindeutig und präzise.

Zum Abschluss bleibt zu sagen: Hin und wieder muss man sicherlich unangenehm für seinen Hund werden, schon unabsichtlich. Ich kann auch nicht alles erlauben – allerdings kann ich bewusste Strafreize wie Anschreien, Rempeln, Bedrohen oder gar Schlimmeres vermeiden, indem ich dem Hund zeige, was er tun soll.

Ohne Maulkorb

Wieder einmal wurde ich zur Persona non grata ernannt.

Sicherlich auch, weil eine Konfrontation nicht unbedingt scheue, hauptsächlich aber weil ich nach meinem Crossover zum Wattebäuschchenwerfer gerne Menschen aufkläre, damit ihnen – wie mir – klar werden kann, dass es in der Hundeerziehung kein „Grenzensetzen“ durch Bedrohung und Körpersprache braucht.
Mir wurde gesagt, dass mich „ernsthafte Hundler nicht ernstnehmen“… soll mich das nun wirklich treffen? Ich solle doch bitte einsehen, dass Hunde den Menschen manipulieren und erpressen, um ihre opportunistische Natur ausleben zu können.
Niemand bestreitet, dass Hunde, wie jedes andere Säugetier, Verhaltensweisen beibehalten, die sich lohnen, allerdings wird Hunden stets perfide Gedankengänge unterstellt – Gedanken, die einzig und alleine zum Ziel haben sollen, dass Hunde uns gängeln oder gar viel Schlimmeres.

Diskussion über Hunde verlaufen natürlich emotional, allerdings gibt es genug Objektivität durch wissenschaftliche Erkenntnisse. Leider halten doch viele „Hundler“ (hach, ich liebe dieses Wort!) an althergebrachten Ansichten fest und vermischen diese dann noch mit Meinungen, die sie sich angelesen haben. So entstehen ignorante Tipps, die ein paar moderne Anwandlungen aufweisen. In Wahrheit sind sie keineswegs besser als die Alphahorste.
Dabei geht es  mir weniger um die „richtige Methode“ in der Arbeit und dem Leben mit Hunden, sondern viel mehr darum, dass der Umgang vom Wissenstand desjenigen abhängt, der dem Hund gegenübersteht.

Nun müssen sicherlich nicht alle anfangen Bäuschchen zu werfen und „Lalala“ zu singen. Auch muss bitte niemand Werkzeuge wie „Zeigen & Benennen“ anwenden oder gar zwingend den Clicker nutzen.

Ich möchte dieses Blog nun nutzen, um meine Beiträge zu verewigen, die ich in Foren getätigt habe, mir Dinge von der Seele schreiben oder einfach nir ein paar Anekdoten über meine Hunde anderen zugänglich zu machen.
Es ist nämlich durchaus ärgerlich, wenn „höhere Herrschaften“ in Foren glauben, sie müssen einem einen Maulkorb anlegen, weil einigen der Umgangston meinerseits nicht passt. Obwohl viele andere meine Beitäge als sachlich und informativ empfinden. Ein Schelm, wer denkt, dass es die Obrigkeit getroffen hat.
Mit dieser kleinen Plattform erfülle ich mir nun diesen Wunsch. Und ja, bestimmt wird der ein oder andere Eintrag scharfzüngiger ausfallen, so ganz ohne Forumsetikette.