Silvesternacht – Albtraumnacht

[Ich wurde gebeten, ein paar Maßnahmen für den Umgang mit dem Hund an diesem Abend niederzuschreiben, und komme dem Gesuch nach ;)]

Jedes Jahr wieder erscheinen unzählige Artikel, die den richtigen Umgang mit dem Hund während des unsinnigen Verschießens von Geldes in Form von Feuerwerkskörpern und Knallern beschreiben. Ich mag Feuerwerk. Ich hätte auch weniger Probleme mit der Geldverschwendung, wenn Menschen nicht schon vor Silvester mit Knallern durch die Gegend ziehen würden und alle in ihrer Umgebng mit Gestank, Lärm und Abfall belästigten.

In den letzten Jahren haben sich viele engagierte Hundetrainer, Verhaltenstherapeuten, Biologen und Tierärzte immer wieder dafür ausgesprochen, die Angst des Hundes in dieser Nacht nicht zu ignorieren. Gegenteilig von landläufigen Meinungen, dass der Hund durch müsse und Trost die Angst verstärke.

Idealerweise arbeitet man mit dem Hund schon während des Jahres. Hilfreich sind je nach Hund eine stufenweise Desensibilsierung mittels Geräuschaufnahmen (deckt leider nur einen Teil ab), konditionierte Entspannung durch Wortsignal und Düfte, das Thundershirt und auch das Hineinclickern in Geräusche, die den Hund erschrecken. Auf Letzteres gehe ich ein bisschen genauer ein, die anderen Sachen kann man gerne online nachlesen.

Auf gar keinen Fall macht man bitte:

  • Mit dem Hund während des Spektakels hinausgehen! Selbst ein knallsicherer Hund kann sich etwas Besseres vorstellen, außerdem gelten für Hunde die gleichen Gefahren wie für Menschen. Zudem haben einige Mitbürger leider Spaß daran, Hunde zu erschrecken oder gar Schlimmeres!
  • Hunde an Silvester alleine lassen! Das ist einfach nur asozial, es bedarf keiner weiteren Begründung!

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Schöne Dinge verschlimmern das Gefühl der Angst nicht.

Was machen, wenn der Hund Unsicherheit zeigt?
Ganz klar zu unterscheiden von „richtiger“ Angst oder Panik. Hier ist das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen. Also bitte nicht mit Ignorieren oder durch die Situation zwingen alles verschlimmern. Den Hund zu einem schönen Spiel animeren, ihm Leckerlis geben, Streicheleinheiten und Körperkontakt (Oxytocin-Ausschüttung!!) gewähren, sofern er dies mag! Beruhigende Musik und Düfte können auch hier zur Stressbewältigung eingesetzt werden. Ruhige Sprache und ein gewohnter Tagesablauf geben Sicherheit. Schöne Dinge verstärken unangenehme Dinge nicht!
Ist der Hund nur etwas unsicher, kann sich auch vorsichtig an den Auslöser herangetastet werden. Ein gemeinsames Begutachten und die Souveränität des Hundehalters wirken unterstützend. Dies alleine gewährleistet aber keinen stressfreien Hund, egal wie viele „Experten“ dies suggerieren.

Am wichtigsten ist jedoch, dem sogenannten Stressgedächtnis vorzubeugen. Ein Hund, der sich im Stich gelassen fühlt, wird die Situation als schlimm abspeichern und vielleicht später schon prophylaktisch Stressanzeichen zeigen! Und das auch noch ohne mit dem Stressauslöser direkt konfrontiert sein zu müssen. Es reicht der bloße Kontext der damaligen Stresssituation aus.

Bei Angst- und Panikattacken hat man durchaus ein Problem. Höhlenbauen, alles verrammeln, all diese Tipps haben ihre Berechtigung. Eine Erklärung, warum Angst nicht durch Trost verstärkt wird, findet man hier (von Verhaltensbiologin Dr. Ute Blaschke-Berthold). Mit Trost ist keinesfalls Betüddeln oder Theatralik gemeint!

Ich persönlich habe einen deprivierten Hund, für den Silvester die Hölle ist. Ich war letztes Jahr gut gerüstet, dachte ich. Seine Angst war aber wesentlich schlimmer als erwartet und auch für mich hat sich die Nacht zum Albtraum entwickelt. Ich hätte mir fast denken können, dass es für ihn so furchtbar ist, da schon bei Gewitter und einzelnen Knallgeräuschen die Welt für ihn zusammenbricht. Ignorieren hilft da wirklich gar nichts – was soll es dem Hund, der bereits derart ängstlich ist, dass er mich kaum noch wahrnimmt, denn bringen?
Hunde orientieren sich sicherlich am Menschen, aber nur weil wir keine Angst haben, heißt das nicht, dass der Hund keine Angst hat. Die Schuldzuweisung durch „Experten“, der Halter sei an allen Problemen schuld, kann ich nicht nur nicht nachvollziehen, ich halte sie sogar für abstoßend und dem Problem nicht dienlich!
Nachdem also Höhlenbauen, die Wohnung zu Fort Knox umzugetsalten, die konditionierte Entspannung und die ruhige Atmosphäre gar nichts gebracht haben, weil die Angst einfach zu groß war, habe ich nach Silvester angefangen, in jedes gruselige Geräusch zu clickern.
Ja, der Clicker ist ein Markersignal und damit bestätigt man punktgenau Verhalten. Und dies ist auch schon der Grund, warum man damit Angst nicht verstärken kann. Angst ist ein Gefühl. Ein gut konditionierter Clicker (oder auch ein anderes Markersignal, ich nutze ja seit einigen Monaten fast exlusiv das Markerwort) ist mit positiven Emotionen verknüpft. Man kann seinen Marker auch „aufpimpen“. Wie oben erwähnt, verschlimmert etwas Angenehmes nicht das Unangenehme. Im schlechtesten Fall ändert es nichts an der Angst, allerdings erweist man sich als Unterstützung für den Hund, statt als asoziales Arschloch, dem man nicht vertrauen kann.
Die Erfolge dadurch waren ganz enorm! Einzelne Knallgeräusche werden nun ertragen, statt Flucht wählt Akuma nun immer mehr Schutz bei Frauchen, da der Click ihm einfach durch die Situation hilft. Er gibt Halt und Orientierung, macht ihn offen für andere positive Dinge (wie Leckerlis oder Lob) und hat geholfen das Verhalten „Komm zu Frauchen, wenn es irgendwo knallt“ zu etablieren. Gerade während ich diesen Eintrag niederschreibe, knallt es draußen mehrmals. Letztes Jahr noch wäre aufgeregt hin- und hergelaufen, jetzt aber liegt er auf der Couch, zeigt mir an, dass er den Knall gehört hat und kann Leckerlis annehmen. Auch will er gestreichelt werden und drückt sich an mich. Beruhigende Stimmlage wirkt sich positiv aus.
Natürlich mache ich mir nicht die Illusion, dass er Silvester ruhig verbringen wird. Allerdings kann man den Hund darauf vorbereiten.

Am Schluss vielleicht noch ein Link zur Ernährung, nicht nur für verhaltensauffällige Hunde, sondern auch für Paniker an Silvester.
Selbstverständlich gehört der Hund an ein ausbruchsicheres Geschirr oder man kombiniert Brustgeschirr und Halsband mit einer Zwischenleine. Freilauf an den kritischen Tagen sollte nicht riskiert wierden. Stresshormone brauchen Tage, bis sie abgebaut werden!

In diesem Falle tatsächlich mal seinem Bauchgefühl nachgeben (wie Thomas Riepe hier und auch hier beschreibt) und den leidenden Hund nicht in seiner Angst alleine lassen. Ist es nicht paradox, dass „natürliche Hundehalter“ sonst immer dafür plädieren (egal wie gefährlich dieses „Bauchgefühl“ auch sein mag), sich bei der Angst-Geschichte aber dagegen aussprechen?

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Böse Leckerlis… mal wieder!

Schon lange habe ich mit dem Gedanken gespielt, das doch noch mal in Erwägung zu ziehen, gerade an Tagen, an denen akute Freiwilligen-Flaute herrscht (wochentags, schlechtes Wetter, usw.) – Gassigehen fürs Tierheim. Meine Erfahrungen mit dem Tierheim Nürnberg sind dabei weniger schön, aber die Hunde. Für die Hunde könnte ich tatsächlich über meinen Schatten springen, also habe ich mir die Seite des Tierheims nochmal genauer angesehen. Da stehen dann die üblichen Regeln und ich wundere mich noch, warum die Vergabe von Leckerlis unter Strafe (huhuuuu!) verboten ist… und lese dann den Namen dieses Hundetrainers. Bekannt aus dem Fernsehen (oder auch nicht) – ich habe ihn unlängst auf meiner imaginären No-Go-Liste. So einer dieser Rudelführertypen, die aggressive Hunde quasi nett zaubern können, bzw. 90 Prozent in ein paar Stunden.
Ich bin aber ein neugieriger Mensch und hinterfrage, auch die eigenen Entscheidungen und Schubladen (die man als Mensch nun einmal hat) und forsche noch ein bisschen nach. In einem Artikel finde ich die Antworten… wieder einmal die üblichen Scheinargumente von Übergestern. Böse, böse Leckerlis. Und nettes Training besteht nur wieder einmal aus Keks und Spielzeug. Sagenhaft…

(Ich weiß nicht, wie oft euch passiert, dass beim Vorbeiziehen an der Leine ein Fremdhund futterneidisch auf euren Zeigen-und-Benennen-Hund, der sich die Leckerbissen schmecken lässt, reagiert? Mir passiert das niemals nicht!
„Verzuckern“ ist nicht ganz wörtlich zu nehmen, denke ich, ansonsten könnte man mit zuckerfreien Leckerlis argumentieren. Was aber haben Leckerlis mit Verhätscheln zu tun? Erkläre mir das doch einmal bitte jemand, aber richtig! Muss ich doch zum Kurs gehen, um den Herrn selbst zu fragen?)

Von Hunden, die Hunde erziehen

In so gut wie jeder Diskussion über Hundeerziehung kommt er irgendwann, der Vergleich wie Hunde Hunde erziehen.

In diesem Eintrag habe ich es bereits angeschnitten, aber ich würde das Thema gerne noch ein bisschen genauer beleuchten.

Der Punkt der „natürlichen Hundeerziehung“ ist nachvollziehbar und sicherlich nicht auch kompletter Unsinn, allerdings müssen wir uns vor Augen führen, warum wir da an unsere Grenzen stoßen.

Erziehen Hunde überhaupt?
Ja, sie tun es – aber nicht wie Menschen Erziehung definieren. Wir nehmen das Wort nicht mehr in seiner ursprünglichen Bedeutung, es heißt nicht mehr nur „ernähren“ oder „großziehen“. Vielmehr halten wir uns an diese Definitionen:

  1. Jemandes (besonders eines Kindes) Geist und Charakter bilden und seine Entwicklung fördern
  2. Zu einem bestimmten Verhalten anleiten

Punkt 1 tun Hunde mit Sicherheit nicht, Punkt 2 vielleicht schon eher. Meiner Meinung „leiten sie selten an“, sondern zeigen, was sie nicht wollen. Auf ihre eigenen Bedürfnisse zugeschnitten. Der Hundemutter wird es herzlich egal sein, ob der Zögling später einmal artgenossenaggressiv sein wird, solange er sich ihr gegenüber gebührlich verhält. Nur das setzt sie durch; wobei es Hundemütter gibt, die durchaus so „liberal“ sind, dass sie sich vom Hundesprössling drangsalieren lassen, bis sie schlussendlich selbst das Weite suchen. Sind sie nun schlechte Hundemütter? Weil sie das aus menschlicher Sicht erklärte Erziehungsziel nicht verfolgt haben?
Genau hier liegt der Hase im Pfeffer begraben. Wie oft wird das leidige Hundemutter-Argument herangezogen, ohne dabei zu berücksichtigen, dass Hunde individuell handeln und es keine allgemeingültigen Gesellschaftsnormen gibt, die ein jeder Hund gleich bewertet!
Es gibt Hundecharaktere, die lassen mehr durchgehen als andere. Das Seelchen von Hund neigt dazu sich mobben zu lassen, statt eine „klare Ansage“ zu machen, der Taktlose nimmt sich vielleicht zu wenig zurück und erkennt die Beschwichtigung (wenn man will, ist das ebenfalls Grenzsetzung) des anderen nicht.
Hier müssen die Hundemütter also gründlich versagt haben.
Diese eindimensionale Sicht verführt den Menschen dazu, allerlei „natürliche“ Hundekommunikation anzuwenden, um die „Fehler“ zu beheben. Dabei wird nicht bedacht, dass Sozialisation, Charakter, Situation und Erfahrung ausschlagende Dinge sind. Der Rowdy unter den Hunden kann durch zu viel Reglementierung vielleicht zum Rowdy geworden sein und mehr Reglementierung wird nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Hinzu kommt, dass man einem Hund eine Menge beibringen kann, aber grundsätzliche Wesenszüge lassen sich kaum ändern. Ein grundsätzlich ruhiger, vorsichtiger Hund wird nicht zum abenteuerlustigen Draufgänger.

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[Akuma möchte Yoma zum Spielen überreden, er lehnt ab. Akuma akzeptiert. Hat Yoma Akuma nun erzogen? Wird Akuma Yoma künftig nicht mehr zum Spielen aufforden, weil er deutlich gemacht hatte, dass er hier nicht spielen wollte?
EDIT: Nein, das ist in diesem Kontext ganz sicher keine „Dominanzgeste“ – jeglicher Körperkontakt bei Akuma ist Zeichen seines Vertrauens! Außerdem erkenne ich eine T-Stellung mit Kopfauflegen als Einleitung eines Kommentkampfes!
Ich muss betonen, dass hundliches Ausdrucksverhalten stets im Kontext und situativ bewertet werden muss.]

Der Mensch am Scheideweg
Allgemeine Hunderatgeber empfehlen Altbewährtes. Nicht grundsätzlich Falsches, aber oft wenig Zugeschnittenes und für die Situation und den Hund Angepasstes. Wir kochen zwar alle nur mit Wasser, dennoch ist es irrsinnig, bei Hunden beobachtetes Verhalten allgemeingültig auf alle Situationen zu übertragen.
Der beliebte „Körperblock“ zum Beispiel! Er wird gerne für alle Arten von Begrenzung angewandt. Er funktioniert natürlich auch bestens. Er ist ein sofort verstandenes Signal durch Körpersprache. Hunde wenden ihn häufig unter sich an. Dabei hat er aber verschiedenste Funktionen. Er wird beim Ressourcenverteidigen benutzt, beim Flirten bzw. Splitten, im Spiel oder bei der Spielaufforderung, beim Mobbing, beim Kämpfen und Rüpeln. Er ist keine Erziehungsmaßnahme, sondern lediglich ein Ausdruck momentaner Befindlichkeit des Hundes, der ihn anwendet. Der Mensch hingegen nutzt ihn, um bestimmtes Verhalten „verschwinden“ zu lassen. Natürlich versteht der Hund, wenn er einige Male mit einem Körperblock daran gehindert wird, das Badezimmer zu betreten, schließlich will er ja nicht dauernd gemaßregelt werden. Aus Sicht des Hundes werden wir wahrscheinlich unsere Ressource „Badezimmer“ verteidigen. Das ist wohl auch der Grund, warum es nur bei unserer Anwesenheit so gut klappt und warum wir diese „Regel“ so oft auffrischen müssen. Gibt natürlich einige Hunde, denen ist das Bad vielleicht weniger wichtig als anderen und sie stellen das Verhalten tatsächlich ab. Dann haben wir vielleicht sogar „erzogen“.
Der Körperblock ist per se nichts Verwerfliches, man kann ihn zum Beispiel anwenden, um seinen eigenen Hund vor Gefahren zu schützen. Nur sehe ich sehr viele Menschen, die ihn unbewusst zum Mobben ihres Hundes einsetzen und ab da wird es zur Gängelei. Da es aber Hundesprache ist, wird es nicht hinterfragt. Bello stirbt schließlich nicht davon.

Fremdsprache Hündisch
Der Mensch ist obendrein auch noch sehr schlecht im Lesen und Sprechen von Hundesprache. Er interpretiert auch gerne seiner Art entsprechend, beispielsweise das unerwünschte Markieren in der Wohnung wird als Protest des Hundes ausgelegt, Anspringen beim Begrüßen als Respektlosigkeit – obwohl es oft das Gegenteil ist -, usw.
Natürlich kann der Mensch erlernen, zu lesen und zu verstehen, vielleicht auch teilweise anzuwenden. Alleine körperlich wird es irgendwann schwierig, man denke da ans Schanzwedeln. Auch das Markieren von Hunden ist eine natürliche Grenze, die wir zwar überschreiten könnten, aber die wahrscheinlich nichts weiter bringt als Belustigung für unsere Mitmenschen.
Markierungen bedeuten nämlich nur äußert selten, dass Hunde Besitzansprüche auf Urinbesprenkeltes hegen (eher im Sinne eine Ressourcenverteidigung), sondern erfüllt vor allem soziale Funktionen, drückt aber auch Befindlichkeit aus. Außerdem ist das Markierverhalten bei Caniden sowieso noch nicht abschließend entschlüsselt.
Der Hund wird aber sicherlich den Urin eines Menschen anders bewerten als den eines Hundes.

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[Gemeinsames Markieren. Keiner von beiden ist der „Chef“!]

Die „gute“, alte Rangordnung
Hund und Mensch bilden kein Rudel, also sind Rangreduktionen zumeist absolut überflüssig. Die Ordnung stellt sich in der Regel ganz von „allein“ in unserem Haushalt her. Wir geben und entziehen Privilegien und verteilen Ressourcen.
Ein Hund, dem jede Ressource zur freien Verfügung steht, wird nicht zwangsläufig zum Problemfall. Die meisten Situationen ergeben sich erst dann, wenn man Ressourcen entzieht – der Hund wird nicht verstehen, warum er nun plötzlich nicht mehr aufs Sofa darf, wenn es ihm nie beigebracht wurde. Ein Verscheuchen vom Bett wird dann vielleicht mit einem Knurren kommentiert.
Der Hund ist nicht dominant, er drückt wieder einmal nur seine Befindlichkeit aus. Was soll er auch sonst machen?
Hunde würden diese Sache entweder durch Weggehen, Ignorieren der Warnung oder (Gegen-)Bedrohen klären. Dabei wäre aber der Hund, der seine Energie nicht in einen Kampf um eine vielleicht sogar unwichtige Ressource verschwendet, wahrschenlich der souveränere, zumindest aber der klügere in dieser Situation.
Nun kann ich mir als Mensch aussuchen, ob ich mich auf einen Kampf mit meinem Hund um ein Sofa einlasse oder ob ich deeskalierend handle und dem Hund zeige, dass es sich lohnt, meinen Wünschen (hier: Das Sofa freigeben) nachzugehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Hund so unseren „Führungsanspruch“ besser annimmt als durch ein Kräftemessen.

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[Akuma bemerkt, dass Kibo den geliebten Ball geklaut hat und will ihn wieder haben. Kibo beschwichtigt und entscheidet sich für den Rückzug, da ihm der Ball nicht so wichtig ist. Dabei wurde keine Rangfolge ausgefochten! Die beiden bzw. drei lebten drei Monate zusammen und es gab einfach keinen erkennbaren Chef, der jede Ressource kontrollierte!]

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[Beim nächsten Intermezzo an einem anderen Tag sieht es ganz anders aus. Kibo befindet den Stock, den Akuma gefunden hat, als lohnenswerte Ressource und obwohl Akuma ihn links verteidigt, wählt Kibo die Konfrontantion, um an das begehrte Stück zu kommen. Akuma hat keinen weiteren Versuch mehr unternommen, den Stock zu zurückzuerobern. Da sich die Hunde kennen, dürfen sie ihre sozialen Kompetenzen auch nutzen und schulen und es „unter sich klären“.]

Schlussendlich bleibt für mich nur zu sagen, dass ich kein Hund sein will und lieber handle wie ein Mensch. Ich artikuliere und gebärde mich, damit der Hund mich versteht, ohne mich zum Pseudohund zu machen. Ich will meine Hunde fördern. Und das erreiche ich nicht durch Beschränken und Bedrohen, auch wenn sie es noch so gut verstehen sollten.

„Hund zu verkaufen“

Derzeit darf man es nicht tun – die einschlägigen Plattformen nach Abgabehunden durchsuchen. Dabei beschränke ich mich ja sowieso auf die nordischen Hunde, also möchte ich die Flut an Mode- und „Allerweltshunden“ gar nicht sehen.

Nach Weihnachten kommt sicherlich noch einmal eine Schwemme an übriggebliebenen, weggeworfene, unerwünschten, fehlerhaften, anstrengenden Tieren.

Mit welcher Selbstverständlichkeit die „Vermittller“ über diese lebenden, fühlenden, denkenden Wesen wie Ware schreiben, ist schon schlimm genug, aber es werden vermehrt ausrangierte „Zuchttiere“ zum Kauf angepriesen. Entweder wird die „kleine Hobbyzucht“ aufgelöst, die Lebensumstände haben sich verändert oder der Hund verträgt sich nicht mehr mit dem Zweithund. Dabei sind die Texte so lieblos, voller Fehler und flüchtig dahingekrakelt, dass man nur ein flaues Gefühl bekommen kann.

Ich habe ja selbst einen solchen Hund. Einen überflüssigen, wertlosen, der über eine Kleinanzeige – im Nachhinein eingesehen – verschachert worden war. Der Abgabegrund war eine angebliche Allergie. So, nun habe ich nichts dagegen, dass man seinen Hund vielleicht sogar ohne Zwischenvermittler Tierheim direkt in liebende Hände abgibt, aber sind die Angebote doch sehr dubios.
Heutzutage würde ich es anders machen, denn der wahre Grund der Abgabe war wohl seine Zerstörungswut (aus Langeweile und Frust), die er bei mir nicht zeigte.
„Was? Bei uns hat er die Couch zerbissen!“
„Was? Wie habt ihr das Geschirr an den Hund gebracht?“
usw.

Das Schlimmste aber – die Damen und Herren wollten ja für die Zukunft des Hundes jemanden, der alles besser macht und hat als sie selbst: Ein Haus mit Garten, jemand, der rund um die Uhr da ist, nur das Beste für den Schatz!
Ihr „Ein und Alles“ war er angeblich. Seine ganze Ausstattung war im Preis inbegriffen, hörte sich doch super an…
Ein zu kleines Kissen (kein Bettchen), eine zerfressene Billigdecke, ein kaputter Beißring als „Spielzeug“, zerbissene Plastiknäpfe, Billigschrottfutter, eine zerfledderte Billigleine, KEIN Halsband und KEIN Geschirr (er kam mit diesem Schnürchen von der Flexileine an, das fast durchgerissen war)… dass sie uns ihren Furminator mitgegeben haben, wunderte mich sehr.

Passt bitte gut auf, was ihr euch ins Haus holt. Ich hatte mit Yomas Wesen wirklich noch Glück, wenn man bedenkt, dass er ursprünglich aus einer Vermehrerzucht kam, und auch bei den alten Besitzern wenig bis nicht gefördert wurde. Zwar zeigte und zeigt er immer noch so einige „Defizite“, aber es hätte nachteiliger ausfallen können.

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[Yoma ~]

Das absolut Scheußlichste aber, das ich jemals gelesen hatte, war, dass jemand seinen Hund gegen eine Playstation zum Tausch angebot.

Natürlich können sich die Lebensumstände tatsächlich verändern, aber will man dann noch Kapital aus der Trennung schlagen? Ich weiß ja nicht…

Stolze Japaner: Akita & Shiba

[Ich lasse die anderen urpsrünglichen Rassen aus Japan bewusst aus, da sie hier wohl kaum vertreten sind, und demnach könnte ich nur Fremdmeinungen übernehmen. Mein Traum ist ja irgendwann einmal doch einen Shikoku zu haben, auch wenn er als der Japaner mit „Fast-Will-To-Please“ gilt.]

Mittlerweile habe ich nicht nur genug Wissen angehäuft, sondern auch die Erfahrung gesammelt und mich ausgetauscht, um bestimmte Aussagen zu treffen – allerdings spiegeln sie genau nur meine persönliche Meinung wider. Ich will auch gar nicht so sehr auf Rassestandard und Pauschalschlauheiten eingehen, selbst wenn einige Dinge zutreffen.

Es ist wirklich verbreitet und auch nicht ganz und gar verkehrt: Der Shiba bzw. der Akita sei kein Anfängerhund.
Das kommt auf die Sichtweise an. Für Menschen, die eine Art japanischen Lassie suchen, sind die japanischen Rassen sicherlich nichts, auch „Hachiko“ hat zur Verklärung beigetragen. Der Akita IST natürlich seinem Menschen gegenüber loyal, der Shiba ebenso. Allerdings nur, und wirklich nur, wenn man ihm sein Wesen lässt. Natürlich gibt es Ausnahmen.
Immer wieder lese und höre ich, dass man diesen Hunden zeigen muss, wo es lang geht. Von Haltern, Liebhabern, Züchtern und auch Hundetrainern.
Ich sehe das ganz anders. Diese Hunde wissen selbst, wo es lang geht. Sie wissen ebenso, dass sie den Menschen nicht wirklich brauchen und das führe ich mir des Öfteren vor Augen. Mir käme es nie wieder in den Sinn, „Boss zu spielen“. Mal abgesehen davon, dass die Alphatiertheorie so oder so ausgedient hat, weiß ich durch meine Tierschutzarbeit, wie schnell dieser Schuss nach hinten losgehen kann. Beim Shiba und beim Akita sogar ganz besonders schnell und heftig. Bissige Shibas sind leider keine Seltenheit. Und nicht weil sie im Rang aufsteigen wollen, sondern weil sie schlicht das Vertrauen in den Menschen verloren haben. Durch das Rudelführergedöns, das gerade in Akita-Halter-Kreisen immer noch beliebt ist. Käme einer dieser Typen etwa auf die Idee einen Wolf derart zu „dominieren“? Wie bitte lässt man sich bei einem Hund, der so ursprünglich ist, auf so etwas ein? Ich verstehe es nicht. Da lobe ich mir die Gutmütigkeit und die Toleranz, die der Akita seinem Menschen gegenüber hat. Sicherlich, der Hund braucht Orientierung. Aber er braucht keine Machtkämpfe. Der Japaner wird auf seine eigene Art rebellieren:
Er leidet still, er isoliert sich, er beißt zurück. Oder aber er ist tatsächlich gebrochen – dann aber hat man alles, nur keinen Akita/Shiba mehr.

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[Shiba in der Farbe Black & Tan/Schwarz mit Loh]

Dabei kann einem dieser Hund so viel geben! Etwas, was andere Rassen nicht können. Ich kann es nicht einmal genau benennen, aber die meisten Shiba/Akita-Halter wissen, wovon ich rede.

Ganz besonders kann ich es nicht leiden, wenn jemand von „kleinen Akitas“ oder „großen Shibas“ quasselt. Ich meine damit Rassenkundige. Sicherlich ist der Akita dem Shiba (und anderherum) ähnlicher als ein Pudel oder ein Border Collie…

Dennoch ist es so, dass ich defintiv für mich sage: Shibas sind anders.

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[Shiba in der Farbe Rot mit Sashige]

Ich empfinde den Shiba als menschenunabhängiger als den Akita. Das klingt vielleicht attraktiv, weil „unabhängig“ nach menschlichen Maßstäben als erstrebenswert gilt. Bei Hunden heißt das aber, dass man sie erst einmal von der Kooperation überzeugen muss. Der Akita erscheint mir da als prädestinierter und brauchbarer.
Der Shiba… der Shiba ist da bisweilen sehr anstrengend. Nein, der Akita ist keineswegs einfacher zu führen, aber ist der Menschen mehr „zugetan“. Gerade das zeichnet ihn aus. Im direkten Vergleich schneidet der Shiba oft „schlechter“ ab. Ja, es gibt sogar Rassenkundige, die halten ihn für abfällig und jähzornig. Und auch wenn ich Shibas wirklich liebe, der Shiba kann genau das sein. Natürlich nicht um uns zu ärgern, er ist eben einfach so. Bestes Beispiel ist Yomas „Fotogesicht“ – er mag es nicht, fotografiert zu werden und das sieht dann IMMER so aus:

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[Shiba in der Farbe Rot]

Der Akita hingegen ist dem Menschen zwar zugetan, ist dafür bei anderen Hunden noch wesentlich kniffliger zu führen als der Shiba. Der Akita hat ein breites und feines Reportoire an Ausdrucksverhalten, keine Frage. Allerdings kommt es beim Gegenüber vielleicht nicht an, da dieses „handfester“ spricht als der ursprüngliche Akita. Hinzu kommt, dass er – vermenschlicht gesprochen – zu stolz ist, um einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen.
Nein, er ist kein „aggressiver“ Hund, der andere unterbuttern will. Fühlt er sich aber herausgefordert, lehnt er diese Herausforderung nur selten ab.

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[Akita in der Farbe Brindle/Gestromt mit Rot]

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[Akita in der Farbe Weiß]

Etwas, was den Akita ausmacht, ist seine schnelle Auffassungsgabe und eine gehörige Portion Selbstbewusstsein.
Akuma, einer meiner Shibas, ist ein Ressourcenverteidiger par exellence. Auch soziale Ressourcen werden intensiv beschützt. Er ist unglaublich eifersüchtig, ganz besonders wenn es um mich geht. Bei bekannten Hunden haben wir es eigentlich auf ein erträgliches Level geschafft, bei unbekannten Hunden ist es noch stark ausgeprägt.
Nachdem er Souji, den Akita meiner Freundin, kennengelernt hatte (und Souji Akuma für ungefährlich befand), widmete ich mich der Schönfütterung. Akuma braucht bekanntlich länger, allerdings meinte Souji, es sei „lustig“, Akuma ein bisschen zu ärgern. Er regt sich dann halt so schön auf.
Also gibt Souji mir ein Küsschen, Akumas Proteste wurden einfach hinweg ignoriert.
Akitas tun dies. Sie veralbern einen. Nicht bösartig oder weltenherrschermäßig, aber es gehört zu ihrem Wesen. Wo der Shiba deutlich mehr „ernster“ Choleriker ist bisweilen, ist der Akita ein Komiker mit schwarzem Humor.

Wer also gerne einen unabhängigen Hund sucht, der sich nicht für Wiesen-Hausfrauen-Plauder-Treffs eignet, sondern der sinnvoll beschäftigt werden will, wird mit einem Hund belohnt, der ursprüngliches Verhalten mit Charakter besitzt, wird unter Garantie bei den Japanern fündig.
Ich kann nur jedem anraten, ausnahmsweise nicht nach Größe zu entscheiden – denn um wieder zu meiner Kernaussage zurückzukommen: der Akita ist kein großer Shiba und umgekehrt – sondern nach Wesenszügen. Jagdverhalten ist bei beiden Rassen inklusive, aber wohl nicht schlimmer als bei anderen Solitärjägern.

2010 (10 von 41)

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Ich persönlich wollte einen Akita, da ich keine kleinen Hunde mochte. Durch Umwege bin ich aber zum Shiba gekommen und was soll ich sagen: es war die richtige Entscheidung!