Blind bleibt blind. Und taub.

Gefühlte 100 Mal habe ich die Autorin darauf aufmerksam gemacht – nebst anderer haarsträubender Theorien (die einzig und allein aus populistischen Gründen so verfasst wurden, während man sich das Deckmäntelchen der positiven Verstärkung selbst umlegt!) – dass sie die Studie falsch darstellt bzw. sie scheinbar nicht aufmerksam gelesen oder verstanden hat.

Ich weiß, gleich wird mir der ach so große Neid unterstellt auf dieses erhabene Machwerk, das auf den ersten Blick differenziert und gut informiert anmutet. Ich gehe nur auf diesen besagten Punkt ein. Vielleicht packt mich die Muße und ich verfasse doch noch einmal eine Gegendarstellung, es reizt mich ja doch irgendwo.

Referenz „Die moderen Hundeerziehung: Wattebäuschchenwerfer, Wissenschaft, Shitstorms und Moral kritisch hinterfragt“

„Oder man denke an die Studie, bei der man heraus gefunden hat, dass ein Hund, der über Teletak und Stachelhalsband ein Abbruchsignal lernt, weniger Stress hat, als ein Hund der es nur positiv aufgebaut bekommen hat.“

Die Studie selbst vergleicht einen Abbruch über positive Strafe (Stachelhalsband und Teletakt) mit einem auftrainierten Abbruchsignal über negative Strafe. Dies kann man bereits eingangs in der ersten Zeile lesen!
Ich will gar nicht anfangen zu erläutern, warum das Ergebnis so ausgefallen sein will (Schlechtes Training; negative Strafe funktioniert nur dann wirklich, wenn die Konsequenz logisch ist…), allerdings ist es doch glatt unverschämt, dass dort immer noch steht, es handle sich um ein Abbruchsignal über positive Verstärkung. Auch wurde keine andere Studie vorgestellt, die diese genannten Abbrüche gegenüberstellt; nein, man wurde einfach ignoriert. Die Studie wurde die letzten Monate quasi als Rechtfertigung vorgeschoben und jedes Mal wieder wurde versucht, die positive Verstärkung zu diskreditieren. Dabei ist es so einfach! Ich kann mit positiver Verstärkung ein Verhalten gar nicht verschwinden lassen, weil… tja… Verstärkung zur Verstärkung führt. Positive Strafe und positive Verstärkung kann man also gar nicht so einfach vergleichen, weil man gegenteilige Motivationen und Mechanismen anspricht.

So ein Artikel, der dann nicht einmal trotz unumstößlicher Beweise geändert wird, darf doch bitte nicht allen „aus der Seele“ sprechen, wobei er in Wahrheit nur wieder eine Art Seligsprechung für das eigene Verhalten ist.
Da kann man sich dann erleichtert aus der Affäre ziehen und braucht so etwas wie Selbstreflexion nicht. Mich beschleicht einfach das Gefühl, dass es um das prinzipielle Widersprechen geht, da man sein Bauchgefühl (was ich den meisten Menschen einfach abspreche) über gesicherte Erkenntnisse stellt.

Außerdem ist Wattebauschwerfer-Bashing derzeit voll trendy und führt zu einem guten Traffic und etlichen Hits und Likes und Reblogs. Ein bisschen Fame ist auch noch drin.

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11 Kommentare zu “Blind bleibt blind. Und taub.

  1. Zitat: „allerdings ist es doch glatt unverschämt, dass dort immer noch steht, es handle sich um ein Abbruchsignal über positive Verstärkung.“

    Möglicherwiese ist es der Autorin des Artikels “ Blind bleibt blind. Und taub“ nicht aufgefallen oder sie ist selber blind. Aber die Autorin die hier kritisiert wird, schrieb nichts von positiver Verstärkung, sondern vom positiven Aufbau. Wobei sie hier völlig offen lässt was unter positiv fällt.

    Zitat aus Zitat: „Oder man denke an die Studie, bei der man heraus gefunden hat, dass ein Hund, der über Teletak und Stachelhalsband ein Abbruchsignal lernt, weniger Stress hat, als ein Hund der es nur positiv aufgebaut bekommen hat.“

    Betrachtet man den Artikel in seinem gesamt Kontext, insbesondere den Teil mit der kritischen Auseinandersetzung von Studien, ergibt sich ein komplett anderes Bild, als die Autorin des Artikels „Blind bleibt blind. Und taub“ hier darstellen möchte.

    • Lieber Jürgen,

      du kannst die Madame sicherlich gerne verteidigen, allerdings müsste dir der Kontext zwei Dinge sagen:
      Sie kritisiert die Oberwattebauschwerfer, die ausschließlich über positive Verstärkung arbeiten. Wenn sie mit „ausschließlich positiv aufgebaut“ NICHT die positive Verstärkung meint, ist das Beispiel doch hinfällig.
      Dann schreibt sie über Lerntheorie bzw. die operante Konditionierung. Es gibt da nur zwei „positive“ Quadranten: Die positive Verstärkung und die positive Strafe. Da die Vergleichsgruppe bereits die positive Strafe abdeckt, bleibt nur noch die positive Verstärkung übrig.
      Die Studie spricht aber eindeutig von der negativen Strafe. Eine Studie, die Verstärkung und Bestrafung gegenüberstellt, ist auch ein wenig müßig, da Strafe Verhalten mindern und Verstärkung Verhalten vermehren soll.

      Da ich die Autorin MEHRMALS darauf hinwies, und nicht einmal eine Antwort kam, wie, „Ich habe ja was ganz anderes damit gemeint“, kann ich getrost davon ausgehen, dass die Studie, wie oft auch an anderen Stellen, falsch wiedergegeben wurde.

      man kann natürlich wie du herumkonstruieren, um damit erneut zu diskreditieren. Lieblich.

      Es ergibt sogar ein ganz eindeutiges Bild. Hätte sie nicht gemeint, was sie gemeint hätte, wäre es komplett sinnlos so zu argumentieren (ganz eindeutig ist auch der folgende Absatz: „Ich würde da erwarten, dass einige schlüssige Argumente kommen würden, die dagegen argumentieren. Selbst mir fällt das nicht schwer, dabei gehöre ich gar nicht zu den Leuten, die immer nur positiv arbeiten. Aber diese Erkenntnisse werden völlig ignoriert und jegliche Gegenargumentation driftet ins Persönliche ab.“)

    • Dann sollte man unbedingt mal die Dissertation dazu lesen, dann weiß man das. Es wird dort ganz klar als negative Strafe deklariert und auch der Aufbau ist dort genau beschrieben.

      • Entweder sie hat es nicht verstanden oder sie hat das Ding nie gesehen und es nur vom Hörensagen aufgegriffen. Es passt halt zu ihrer Argumentation. Warum also verifizieren? Überhaupt, sie stellt Vieles in Frage, ohne richtige Beweise für ihre Hypothesen zu liefern. Das regt mich am meisten auf.

  2. …genau das ist der Punkt: die Leute fühlen sich persönlich auf den Schlips getreten – da geht es nicht um sachlich, fachliche Argumentation…(ich bin doch so schlau – da werd ich mir doch von einem „Niemand“ nicht dazwischenquatschen lassen….)

  3. Meiner Erfahrung nach (und ich habe mir unzählige Male den Kopf eingerannt, in Hundeforen oder FB-Gruppen, bis ich es endlich kapiert hatte…) lohnt es sich einfach nicht, zu versuchen mit Leuten zu diskutieren, die eben davon überzeugt sind, mit Strafen arbeiten zu müssen.
    Die wollen das so, die haben irgendeinen Bedarf, Macht über ihre Hunde ausleben zu müssen. Und wenn sie sich zusätzlich noch gezwungen sehen, sich rechtfertigen zu müssen, suchen sie natürlich nach Argumenten, die ihre Thesen irgendwie unterstützen (oder zumindest zu unterstützen scheinen – denn ganz oft verstehen sie offenbar nicht, was sie da zitieren…).

    Irgendwie scheint es besser zu klappen, Leute zu überzeugen, wenn man einfach Alternativen aufzeigt. Und zwar nicht gerade in einer hitzigen Diskussion, sondern auf einer anderen Plattform. Das können Interessierte erstmal still und heimlich mitlesen oder vielleicht sogar am eigenen Hund testen. Da kommen sie nicht in Zugzwang. Wenns nicht klappt, gehen sie zum alten zurück, und falls es klappt, informieren sie sich weiter und probieren weitere positive Trainingswerkzeuge aus.

    Das sind nicht die Leute, die laut keifen und auf alles schimpfen, was nicht ihrem Weltbild entspricht, sondern stille Mitleser, die man erst bemerkt, wenn sie dann irgendwann Mails oder -PNs schreiben, oder Kommentare auf FB oder im Blog hinterlassen und die dann anfangen, die Artikel und Ideen weiter zu verteilen.
    Solche Leute verändern die Hundeszene – still und leise und vielleicht heimlich.
    Aber das sind jedenfalls die, für die ich meine Artikel schreiben. Und es gibt offenbar immer mehr davon – so jedenfalls mein persönlicher Eindruck 🙂

    • Ich bleibe aber erstmal bei dn hitzigen Diskussion, WEIL die PN und Mails bekomme ich dennoch (zuhauf). Und das bestärkt mich 😉

      Aber an sich… hast du da natürlich Recht. Irgendwo danke ich diesen Leuten auch, weil es mich… anfeuert, auch zur Selbstreflexion. Ohne solche Diskussionen würde ich heute nocht „NEIN!“ knurren.

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