Reizthema Hundebegegnung: „Tutnix“ vs. „Giftspritze“

Respekt unter Hundehaltern: Ja, über dieses Thema gibt es genügend Internet-Beiträge und diese existieren auch mit Recht. Deshalb folgen hier noch ein paar Ergänzungen zu einer sehr beliebten Forderung, die eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Hund anleinen, sobald ein anderer (zumindest angeleinter) entgegenkommt
Alternativ gilt für mich selbst auch: Ausweichen. Selbst wenn ich einem angeleinten Hund mit meinen angeleinten Hunden begegne, lasse ich sie nicht frontal aneinander vorbei, sofern ich die Möglichkeit habe, Bögen zu laufen. Das macht es für alle entspannter.
Es gibt aber etwas, dass mich massiv stört und das ist nicht einmal, dass sich nicht jeder daran hält.

Bitte, liebe Hundehalter, gebt mir doch die Zeit dazu!
Es reichen mir hier nicht ein paar Sekunden, dass ich die Leine greife, den Hund zurückrufe und ihn sofort festmache. Ich muss einen gewissen Abstand einhalten, ich muss schnell ausweichen und ich muss die Möglichkeit haben, meine Hunde zu stoppen und zurückzurufen. Die wenigsten nordischen Hunde machen auf dem Absatz kehrt, sobald man sie ruft, sie haben ihre Bedenkmomente. Es bricht Leuten, die gerne wollen, dass das Gegenüber aneleint wird, keinen Zacken aus der Krone, wenn sie zumindest kurz stehenbleiben, statt stur weiter zu laufen, wenn sie schon sehen, dass man den Hund anleinen will. Ich verlange schon gar nicht mehr, dass der andere Halter einen Bogen läuft, einfach nur Zeit meine beiden (oder mehrere) Hunde einzusammeln, würde mir genügen.
Klar, zumeist kann ich sie mit einigen Werkzeugen der positiven Verstärkung oder gut trainierten Signalen abfangen, wenn es sein müsste, aber ich verlasse mich ungern darauf. Alleine der Stress für alle Beteiligten ist mir das Intermezzo nicht wert. Ich leine wirklich gerne und konsequent an, aber ohne die nötige Zeit, bin ich auf verlorenem Posten. Der Shiba wird nie wie aus der Pistole geschossen auf Zuruf, alle Reize ignorierend, kommen und im Bruchteil einer Sekunde angeleint vor mir absitzen.

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Auch bei so manch einem Jogger oder Radfahrer wünschte ich mir, dass sie, statt Schimpfen ihr Tempo kurz drosseln, damit ich meinen Hund heranrufen kann. Ich habe hinten keine Augen und befinde mich sowieso selten auf Wegen, wo ich welche treffe, d.h. ich rechne nicht ständig mit ihnen.
Und das bringt mich zu einem Punkt, den ich auch noch einmal ansprechen möchte.
Ich laufe oft auf Wiesen, die keine Radwege haben (oder über einen Steg, der ein reiner Fußweg ist) und regelmäßig werden dort Furßgänger, Hundehalter und Hunde von rücksichtlosen Radrasern niedergemäht. Es kam sogar vor, dass in spielende Hunde absichtlich hineingedonnert wurde. Wer Respekt fordert, sollte zumindest ein gewisses Maß an Gegenrespekt zollen. Da lasse ich dann „Hundeangst“ nicht als Ansage gelten, wenn ich angebrüllt werde, meine Köter anzuleinen. Nicht wenn man mir nicht einmal Bescheid geben kann oder abgewartet wird, bis ich sie heranrufe.

 

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[Gerade in Parks ist Kontakt nicht immer möglich, besonders wenn Leinenpflicht herrscht. Yoma war lange Zeit ein Hund, der unbedingt zu allen Hunden hinwollte.
Er wurde sogar aus Frust leinenaggressiv, obwohl er ein verträglicher Geselle ist.
Erst durch funktionale Verstärker bzw. „Zeigen & Benennen“ ist ein entspanntes Passieren möglich geworden. Selbst ein „Tutnix“ kann unter Umständen nicht uneingeschränkt Kontakt haben!]

Viel wichtiger ist mir aber ein anderer Aspekt.
Besagte Wiesen sind beliebte Hundeauslaufgebiete. Sie sind auch relativ einsehbar und zu Stoßzeiten gut besucht. Habe ich nun einen Hund, der aus irgendeinem Grund nicht abgeleint werden kann oder anderweitig keinen Kontakt haben sollte, so bitte ich diejenigen vielleicht großzügig auszuweichen. Es gibt nun einmal viele Hunde, die mitten in der Ausbildung stecken oder Hunde, die absichtlich dort ausgeführt werden, um Kontakt zu haben – ja, um zu spielen.
Ich selbst habe einen Hund, der nicht uneingeschränkt jeden Hund kennenlernen kann, es liegt also in meiner Verantwortung nicht angleint mitten durch die Wiese zu laufen, wo sich Halter mit sogenannten „Tutnixen“ aufhalten.
Es tut Akuma nicht gut, es tut den anderen Hunden nicht gut, es tut den Haltern nicht gut und letztendlich tut es auch mir nicht gut.
Ich beobachte immer wieder, wie Tutnix-Halter regelmäßig mit Flexileinen-Problemhundehaltern zusammenkrachen, weil keiner von beiden weichen will.
Andersherum passiert es mir nicht selten, dass plötzlich ein Hund vor uns steht, bei aller Sorgfalt, die ich walten lasse.
Mich über andere aufzuregen, hat mich nicht weitergebracht; ich manage stattdessen und gehe weiter, lebe meinem Hund dabei vor, dass ein Rückzug oftmals die bessere Wahl ist.

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[„Giftspritze“ Akuma wird zurückgerufen, während „Tutnix“ Yoma mit einem anderen „Tutnix“ Kontakt hat.]

Ich finde durchaus, dass beide Seiten ihre Fehler machen und ich kann sie gleichermaßen verstehen – ich habe nämlich eine „Giftspritze“ und einen „Tutnix“.

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2 Kommentare zu “Reizthema Hundebegegnung: „Tutnix“ vs. „Giftspritze“

  1. Schön geschrieben! Auch wenn meine Collies anders ticken, als die Nordischen …. ich bin auch mal mit 5 Hunden unterwegs und da reicht schlicht die Zeit oft nicht, um 5 Karabiner einzuklinken. Warum muß man denn seinen Tutnix in ein Rudel flitzen lassen? Was ich sagen will: Du bist nicht allein … und diese Erkenntnis hilft weder Dir noch mir …. und die, die es betrifft, die lesen keine Hundeblogs! 😉

    • Mir geht es aber weniger um die klassische Situation, dass einer bei uns rein rennt (haben wir auch, rege ich mich schon lange nicht mehr auf), sondern um dn umgekehrten Fall.
      Meine Hunde laufen frei, anderer Besitzer kommt (überraschen), hat seinen Hund an die Leine oder noch fieser, nimmt ihn urplötzlich an die Leine. Dann würden meine in seine reinknallen. Hundebesitzer bleibt aber nicht stehen, sonder läuft mit dem angeleinten Hund einfach stur auf uns zu. Da habe ich schon mal keine Chance gehabt. Weil der Besitzer dann plötzlich vor uns stand.
      Meine Hunde tun zwar beide „nichts“, aber der eine verbellt hat dann und der andere meint, er könne Kontakt haben. Und da muss ich die dann wegpflücken. Ist einfach unschön für beide Seiten.

      Wir hatten auch schon den Fall, dass ich meine Hunde vom angleinten Hund weggerufen habe, waren noch zehn Meter dazwischen… und jetzt kommt’s, ist etwas, was Akuma nicht gut kann – er kommt zwar mit, aber der Besitzer „verfolgt“ uns. Da fühlt sich Akuma nämlich dann bedrängt…

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