Der konditionierte Geschirrgriff: Richtigstellung

Wie man ihn aufbaut, folgt vielleicht demnächst, aber da es so oft in Diskussionen vorkommt, dass der Geschirrgriff eben nicht so ganz verstanden wird, tippe ich es hier nieder, um es ggf. einfach zu verlinken.

Behauptung: Der Geschirrgriff sei aversiv
Streng genommen: ja. Man fügt einem Hund eine Bewegungseinschränkung zu, die zumeist als unangenehm empfunden wird.
Der Kniff an der Sache ist, dass man es so aufbaut, dass der Hund diese Einschränkung zulässt. Im Grunde genommen ist es also nicht anderes, als den Hund an eine Bürste oder ein Bad zu gewöhnen, oder sonst etwas, das er nicht mag.
Da der Geschirrgriff sowohl über negative Verstärkung als auch positive Verstärkung aufgebaut wird, ist er so stark und unterscheidet sich dadurch von einem  „normalen“ Abbruchsignal. Auch lässt sich so ein Hund anfassen, der dies in bestimmten Situationen nicht so einfach zulässt (z.B. wenn er zur rückgerichteten Aggression neigt). Der Geschirrgriff ist keine Therapie, er soll nicht zur Verhaltensänderung führen, sondern ist ein Werkzeug, um den Hund ansprechbar zu machen bzw. ein sehr zuverlässiger Verhaltensunterbrecher, also in den meisten Fällen ein „Notfall-Tool“, d.h. wenn das Management versagt und ich einen tobenden Hund irgendwie bändigen muss. Kombinierbar mit Umorientierungssignalen, U-Turn, Zeigen & Benennen oder, oder, oder.

Anders als der Name nämlich vermuten lässt, ist es kein bloßer Griff ins Geschirr, das wäre tatsächlich ein deutlicher Aversivreiz. Der Geschirrgriff kann am Halsband oder am nackten Hundekörper auftrainiert werden, auch soll er später auf Distanz und ohne Berührung funktionieren.

Je empfindlicher der Hund bei der Bewegungseinschränkung ist, desto kleinschrittiger muss man ihm die Sache als etwas Tolles verkaufen. Unangenehm kann durchaus der angewandte Zug wirken, ansonsten gäbe es keine negative Verstärkung. Irgendwas muss ja negativ verstärkt werden.
Deshalb kann man zur Abdämpfung auch eine konditionierte Entspannung dazwischen schalten, um den Hund zu unterstützen.

Es ist daher ratsam, sich Gedanken zu machen, ob man den Geschirrgriff überhaupt braucht, auch sollte man ihn sich unbedingt vorführen lassen – denn schon beim „Zeigen & Benennen“ fallen mittlerweile gravierende Aufbaufehler bei Laien/Autodidakten auf. Der Geschirrgriff ist durch Bewegungseinschränkung und Zug noch ein bisschen heikler.

Eine kleine Randnotiz am Schluss:
Der Geschirrgriff zeigt übrigens eindringlich, warum positive Strafe und positive Verstärkung nicht in der Kombination benutzt werden sollten. Die positive Verstärkung führt gut und gerne zur Abmilderung der positiven Strafe oder aber zur Abstumpfung gegenüber des Aversivreizes.
Wer also glaubt, er wäre besonders fair und klar, wenn er einerseits positiv straft und andererseits (eher dilettantisch) positiv verstärkt, der ist auf dem Holzweg.

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