„Huskys – wunderschön, aber oft falsch verstanden“

Ich habe mir die neuste Ausgabe der WUFF gekauft.
1. Es gibt einen Artikel über Huskys
2. und ein Rasseportrait über den Basenji
3. ein Hundefotografie-Beitrag

Was mich an den WUFF-Artikeln schon immer ein bisschen gestört hat, ist die Kürze bzw. das Unausführliche, allerdings erwarte ich das bei einem Blatt von 3,90 Euro gar nicht. Ich fand die Artikel recht ansprechend gestaltet und durchaus lesenswert – bis ich auf den Husky-Kommentar von Martin Eigentler („Der Husky-Mann“) stieß. Ich habe, weil ich das unhöflich erachte, den Artikel eben nicht im Zeitschriftenladen angelesen, denn sonst hätte ich mir das Geld gespart. UPDATE Mittlerweile hier online verfügbar.
Fairerweise muss ich sagen, dass der selbsternannte Husky-Experte schon bei der Sendung mit Martin Rütter eher unexpertenhaft anmutete und ich einige Kritikpunkte niederschreiben wollte, es aber gelassen habe. Bei dem kurzen Statement in der WUFF aber… es fehlen mir fast schon ein wenig die Worte.

Ganz frei heraus:
Würde der Herr die Natur der Huskys/Schlittenhunde/Nordischen verstehen, würde er keine Rennen wie den „Iron Sleddog Man“ absolvieren. Denn, und nun erschreckend für viele:
Der Siberian Husky war gar kein Laufhund!
Der ursprüngliche Husky aus diesen Gefielden war ein kräftig gebauter, kurzbeiniger Hund, der gar nicht für Schnelligkeit und Ausdauer ausgelegt war. Er war ein Hund, der seinen eigenen Kopf hatte, jagdlich interessiert und sehr unabhängig, weswegen die Menschen es schnell aufgegeben hatten, ihn für die Jagd zu nutzen. Er kooperierte nämlich weniger gut als andere Hunde. Stattdessen hat man ihn angefüttert und für den Winter später von den Schlitten gespannt: Als Lastentier.
Irgendwann  wurde dann aus den Staffelläufen in den Versorgungsgebieten, die mit Schlitten befahren wurden, die heutigen Rennen, bei denen es um Geschwindigkeit und Ausdauer geht. Die Huskys wurden hochbeiniger und schlanker.

Wie der Alaskan Malamute, der Grönlandhund und der Samojede (!) noch heute als Lastenzieher gelten, war der Siberian Husky aber eigentlich kein edler Läufer – und untrainiert muss ein Husky auch nicht ständig bewegt werden, wie viele Musher es propagieren.
Er ist ein sportlicher, aktiver Hund in der Regel, der aber nicht nur dummgelaufen werden will, sondern der auch sein Köpfchen nutzen mag.
Es ist kein Zufall, dass in Renn-Musher-Gespannen fast keine Grönländer oder gar Samojeden zu finden sind, obwohl sie auch zu den klassischen Schlittenhunden gehören. Es ist des Weiteren kein Zufall, dass Hunde wie die Alaskan Huskys oder einzelne Laiki-Rassen die Gespanne erweitern, bishin zu verschiedenen Hound-Typen, die wesentlich kooperativer als die Nordischen sind.

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Auch „der Husky-Mann“ schürt die bekannten Musher-Klischees und es war für mich erschreckend, wie viel Plattform dieser Mensch für die verstaubten „Tatsachen“ bekommt.

Ich spreche durch meine Tierschutzarbeit mindestens ein Mal wöchentlich mit Schlittenhundbesitzern, die ihren Hund abgeben. Ich stimme Martin Eigentler insofern zu, dass es oft die Überforderung mit ihren Hunden (tendenziell Rüden in dem angesprochenen Alter von ca. einem Jahr) ist, die die Menschen antreibt, sich von ihrem Tier zu trennen.
Das hat aber nichts mit fehlender „Rudelhaltung“ (egal wie ursprünglich die hübschen Sibirier sind, es sind Hunde und keine Wölfe. Eine vom Menschen zusammengeworfene Gruppe ist de faco kein Rudel) oder „mangelnder Bewegung“ zu tun.
Die Hunde fordern diese auch nicht ein – sie kommen schlicht und ergreifend in die Pubertät. Sie nehmen nicht mehr alles hin, was der Mensch verlangt, sie mögen vielleicht nicht mehr jeden Artgenossen, sie können sich kaum konzentrieren, reagieren statt nachzudenken, etc.
Sie haben wahrscheinlich noch nicht erlernt zu entspannen, sie werden mit Rangreduktionsmaßnahmen gefügig gemacht und lehnen sich auf, sie funktionieren einfach nicht, wie der Mensch das von einem Hund erwartet. In dieser Beziehung sind die Nordischen nun einmal besonders.

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[Alaskan Malamute]

Ich finde es unverantwortlich, wenn ein Schlittenhund“experte“ quasi verlautbart, dass ein acht (!) Monate alter Schlittenjunghund nicht mehr körperlich ausgelastet werden kann und vor den Schlitten gehört. Der Hund befindet sich im Wachstum und sollte erst langsam an die Zugarbeit gewöhnt werden.
Es geht in Wahrheit um ganz andere hundliche Bedürfnisse als um die mangelnde „Arbeit“: Es geht ums Erwachsenwerden, um den Freigeist und um vernünftige Beschäftigung, die rassegerecht erfolgen muss. Der Siberian Husky ist ein intelligenter Hund, der vor allem auch geistig gefördert werden sollte. Natürlich ist ein körperlich erschöpfter Hund unauffällig und in der Weise, in der Martin Eigentler mit den Hunden lebt, mag das auch genügen (vorbildlich ist, dass er auf die übliche Ketten- und Zwingerhaltung verzichtet, die einzig und allein dazu dient zu kaschieren, dass Gruppenhaltung eben Reibungen beinhalten und es durchaus täglich zu Auseinandersetzungen in solchen Meuten kommen kann!).
Einem Husky, der bei seinen Menschen in der Familie lebt, ist die geistige Förderung seiner Fähigkeiten wichtiger, ebenso das gemeinsame Erleben des Alltags! Zugarbeit oder Ersatzakitivitäten wie Dog Scooter sind eine nette Idee, ist aber auch für einen Schlittenhund kein Muss! Huskys sind glücklich, wenn sie mit ihren Menschen durch die Gegend ziehen können bei moderater Bewegung, selbst die ein oder andere Entscheidung treffen können, vielleicht Fährtenspiele machen, ab und an mit zum Joggen gehen dürfen, vielleicht mal mit anderen Hunden in der organsisierten Gruppe laufen und zu entspannen gelernt haben!

Schlittenhunde gehören auch nicht nach draußen, sondern genießen es, bei ihren Menschen im Haus zu wohnen. Selbst Hunde, die jahrelang im Zwinger gehalten wurden, finden schnell Gefallen, in der Familie zu leben. Es mag nicht der Romantik der „Wildheit der ursprünglichen Nordischen“ entsprechen, aber der Husky hat nicht umsonst den Ruf, sehr menschenverbunden zu sein; sofern er gerecht behandelt wird.

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Dies ist auch der Grund, warum ich keinen mir anvertrauten Schlittenhund in Musher-Hände vermittle – nicht nur, weil ich nicht an dieses Modell glaube, sondern weil der Ausschuss der ausgedienten Schlittenhunde sehr oft im Tierschutz landet (allgemein gesprochen!).

Wenn Herr Eigentler davon spricht, dass ein Leben draußen, in der Gruppe und an Rennen teilnehmen „artgerecht“ sein soll, kann ich mit meinen Ausführungen eben nur dagegen halten. Nein, der Husky ist kein idealer Familienhund, der nebenbei läuft. Er ist ein anspruchsvoller Begleiter, der gefordert und gefördert werden will, aber auch lernen MUSS, eine ruhige Kugel zu schieben; ansonsten hat man hüpfend-schreiende Hunde im Gespann, die vor lauter Aufregung fast umfallen, was dann als „triebig“ bezeichnet wird.

Herr Eigentler sieht das Glück seiner Hunde – wie im Artikel angedeutet – scheinbar durch die enorme körperliche Auslastung seiner Hunde – ich sehe Glück im Gesicht jener betreuten und vermittelten Schlittenhunde, wenn sie mit ihren Menschen die Natur erkunden und dann zufrieden im Körbchen oder auf dem Sofa oder am Boden vor dem Kamin liegen (in Sibirien ist der Sommer bis zu 40 Grad heiß, auch wenn es dem Kälte-Mythos der Siberian Huskys nicht entspricht!), schlafen und wuffend von ihren Erlebnissen träumen.

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