Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann: Schreckgespenst Konditionierung

Hundediskussionen sind bunt. Meist geben sich allerlei Menschen verschiedenster Schläge ein Stelldichein der Wortgefechte um Hundeerziehung. So unterschiedlich die meisten Ansätze auch sein mögen, meist schließen sich viele Richtungen gegen eine zusammen:

Die Clickertanten, die ihre Hunde zu hirnlosen Konditionierungsmaschinen degradieren. Die Wattebauschwerfer, die einzig nur dem behavoristischen Modell hinterherrennen und die das Bauchgefühl schon längst verloren haben. Die Grünschleifen, denen nicht bewusst ist, das Zwang zum Leben dazugehört und die gegen jeden Stress ein Bonbon („Leckerli“) werfen, während sie „Lalala“-singend durch den Wald tanzen.

Der Schwarze Mann
Ganz einfach ausgedrückt, ist die Konditionierung eine Form des Lernens, die mit einigen anderen Lerntheorien eng verzahnt ist. Wird einem Welpe von seiner Mutter gezeigt, welches Futter besonders genießbar ist, entscheidet der Geschmack des Hundekindes darüber, ob es diese Speise zu schätzen weiß und künftig fressen wird.
Die Grundprinzipien des Konditionierens habe ich bereits erklärt. Ein normales Maß an Konditionierung, die bei jeder Verhaltensmodifikation (sowohl operant als auch klassisch!) eine Rolle spielt, ist weder eine Gehirnwäsche noch eine roboterähnliche Programmierung („Reiz-Reaktions-Maschine“), die den Hund seiner Persönlichkeit beraubt. Man kann aus einem zurückhaltenden Typ keinen Draufgänger machen, aber z.B. kann man das Selbstbewusstsein eines Hundes stärken, damit er etwas aus sich herauskommt.

Es ist falsch, dass Hundeausbilder, die sich der Konditionierung bewusst bedienen, alle anderen Lerntheorien verneinen oder sie nicht berücksichtigen. Hundeausbilder, die sich mit dem Lebewesen Hund als solches beschäftigen, und deswegen ängstigende und unangenehme Ausbildungsmethoden ablehnen, betonen die soziale und individuelle Komponente eines jeden Hundes und achten stark auf einladende und freundliche Körperhaltung im Training. Sie gestalten die Aufgaben nach Neigungen und Fähigkeiten des jeweiligen Hundes und führen ihn gekonnt zum Erfolg. Auch wird wert auf soziale Kompetenzen gelegt und bei schwacher, geschädigter oder nicht vorhandener Kompetenz wird der Hund behutsam an diese herangeführt.
Gute Trainer verzichten hierbei auf das Lernen über Versuch & Irrtum, da gerade Hunde mit Verhaltensproblematiken dazu neigen, durch Ausführen des Fehlverhaltens diese noch einzuüben (vgl. hier).

Deswegen bedienen sich diese guten Trainer der Verhaltensmodifikation über bestimmte Quadranten der operanten Konditionierung und der Gefühlsebene auf Grundlage der klassischen Konditionierung. Es geht darum, dass der Hund sich gut fühlt und dadurch motiviert wird, Verhaltensweisen kreativ zu zeigen, für die er dann entsprechend belohnt wird – damit diese wiederholt gezeigt und verfestigt werden. Den Hund dabei verdummen zu lassen, ist nicht das Ziel. Er soll in einem förderlichen Umfeld lernen, selbst Strategien zu entwickeln und durch fehlerfreies Gestalten Erfolge spüren. Das führt im besten Falle zu einem selbstständigen, sozialkompetenten Hund, der eigene Lösungen anbietet und im Notfall auf die eingeübten, belohnten Verhaltensweisen zurückgreift. Diese trainierten Verhaltensketten sind quasi Sicherheitsnetze.

Ein Phänomen: Die Konditionierungsleugner
Diese Fraktion streitet ab, selbst zu konditionieren. Sie wollen ihr Augenmerk darauf legen, mit dem Hund so naturnah wie möglich zu kommunizieren. Dabei bedienen sie sich der eher holprigen verhundlichten Körpersprache und konzentrieren sich allzu oft auf „Verhalten tadeln“, indem sie ihrem Hund klarmachen, dass dies und jenes gerade nicht so toll war. Das erreichen sie über bedrohliche Gebärden und Laute, die sowohl klassisch wie operant konditionieren. Ohne es also zu wollen, bedienen sie sich dem Schreckgespenst der Konditionierung. Das ist auch unvermeidlich, schließlich begegnen sie einer Aktion mit einer Reaktion, um Verhalten zu ändern. Auch ein Ausbleiben von einer unangenehmen Konsequenz gehört zur operanten Konditionierung. Indem ich von außen richtungsweisend mit Konsequenzen auf einen anderen einwirke, auch sogenannte soziale Sanktionen wie Ausschluss aus der Gruppe sind lerntheoretische Strafen, ist das ein ein Teil der operanten Konditionierung: Ob bewusst oder unbewusst!
Mit Phrasen wie „Persönlichkeit statt Leckerli“, „Kommunizieren statt Konditionieren“ oder ähnlichen Konstrukten nähren sie die Angst vor der Robotisierung der Hunde durch den Menschen. Ihre Ablehnung beruht auf dem Unwissen, dem sie aufsitzen. Die Konditionierung ist ein natürlicher Prozess, der sinnvoll ist und dem niemand entkommt. Man denke nur an ein aufziehendes Gewitter, das uns dazu veranlasst, die Fenster zu schließen. Dieser Vorgang heißt Reizkontrolle und wird in der Hundeausbildung legitim genutzt, um Signale beizubringen. Aber auch in der Erziehung ohne bewusst ausgewählte Signale kommt sie täglich vor: Immer dann, wenn der Hund tut, was er soll oder lässt, was er nicht soll, nachdem man den Hund „erfolgreich über eine bestimmte Zeit erzogen hat“. Es liegt also nicht an unserer umwerfenden Ausstrahlung oder unserer konditionierungsfreien Kommunikation. Sondern an etablierten Konditionierungsprozessen, die wir unbewusst genutzt haben.

Besonders findige Trainer behaupten gar, dass die Konditionierung dem Hund die Wahl überlässt, einen Befehl zu befolgen. Dies widerspricht der eigentlichen Kritik vom hirnlos ausführenden Roboter, dessen Gehirn so gewaschen wurde, dass er keine Wahl mehr hat. Augenscheinlich meinen diese Zeitgenossen aber die Ausbildung über Leckerlis, die einen Teil der operanten Konditionierung darstellen kann. Wer belohnungsbasiertes Hundetraining mit Leckerlis gleichsetzt, dem sei dieser Artikel empfohlen.
Die Frage, die ich mir stelle, bleibt aber: Wie erreichen diese Trainer denn zuverlässigen Gehorsam?

Ich persönlich beobachte gerade, dass Hunde aus der Hand der „Kommunizierer“ bzw. der „Persönlichkeiten“, oftmals sehr gehemmt in der Zusammenarbeit mit dem Menschen wirken.  Hunde, die kaum eigene Ideen einbringen, weil sie viel zu oft für angeblich falsches Verhalten gerügt werden; ihre Kreativität wird geradezu unterdrückt. Für das, dass die Konditionierungsgegner eine Fremdbestimmung durch Konditionierung ablehnen, zeigt sich die Wirkung eben dieser bei gehemmt-eingeschüchterten Hunden besonders deutlich.

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Apportieren bringt man über operante Konditionierung bei. Macht es deshalb keine Freude? Oder ist ein Apport über positive Verstärkung gar schlechter als einer über „Persönlichkeit des Hundeführers“?

„Gemäßigte“ Hundeausbildung
Diese suggeriert, dass der Mittelweg der goldene ist. Dabei bedienen sich diese Menschen ganz bewusst aller Quadranten der operanten Konditionierung und behaupten, dass auch unschöne Konsequenzen zum Leben gehören. Das klingt zunächst logisch und kompromissbereit, in Wahrheit aber zielt diese Argumentation darauf ab, dass einer Erziehung oder einem Training, das auf Belohnungen basiert, aberkannt wird, sie/es setze Grenzen. Der Hund könne gar nicht lernen, mit Reibungen umzugehen, weil er nicht konfrontiert werden würde. Eine Ausbildung und Anleitung über betont positive Verstärkung sei quasi antiautoritär bzw. permissiv/laissez-faire.
Als Hundehalter bzw. -trainer greift man allerdings aktiv in die Entscheidungen des Hundes ein, auch wenn das über Clickern geschehen sollte. Der Hund erhält nicht nur Rückmeldungen auf gezeigtes Verhalten, sondern wird willentlich zum Zeigen eines bestimmten oder unbestimmten Verhaltens stimuliert. Aus diesem Verhalten kann ein Zielverhalten geformt werden oder aber es erhält keinerlei Bestätigung mehr. Grenzen werden dem Hund gesetzt, indem man ihm das gewünschte Verhalten beibringt und es als Regel etabliert. Auch wird der Hund mit stressauslösenden Reizen bekannt gemacht, allerdings versucht man innerhalb seiner persönlichen Leistungsgrenze zu bleiben und bevorzugt es, das Kennenlernen mit positiven Assoziationen zu verknüpfen. Dies beinhaltet meist eine adäquate Verhaltensweise zum jeweiligen Reiz: Der Hund lernt, wie er mit dem Stress umgehen kann, weil er nicht überfordert wird.
Diese Manipulation ist unumgänglich, wenn man Verhalten aktiv beeinflussen will, ganz gleich welche Art der Hundeerziehung man betreibt. Auch ein gemäßigter Trainer formt Verhalten, indem er Rückmeldung abgibt und Verhalten provoziert. Er bedient sich eben nicht nur der angenehmen Rückmeldung oder Stimulanz, sondern auch der unangenehmen. Er setzt meist Grenzen über Verbote.

Oft möchte sich der gemäßigte Hundeausbilder zusätzlich abheben, indem er die soziale Komponente anspricht, die er trotz Konditionierung nicht außer Acht lässt – er rät gerne zum Bauchgefühl.
Dabei entsteht eine gute Intuition genau dann, wenn Wissen die Basis ist. Mein Bauchgefühl mag sich nämlich gut und gerne mit meinem angehäuften Wissen verändern. Statt eines aggressives Abblocken am Essenstisch kann meine Intuition sich soweit verschieben, dem Hund beizubringen, wie er sich genau verhalten soll.

Viele gemäßigte Trainer sind aufgrund ihres (falschen) Wissens auch der Meinung, man müsse einen ängstlichen Hund ignorieren, um seine Angst nicht zu verstärken – das mache der Rudelführer instinktiv auch so. Obwohl bereits hinlänglich bekannt ist, dass dies nicht der Fall ist, beharren sie darauf. Hier setzt oft die Belief Perseverance ein. Überhaupt ist diese unleidliche  Debatte oft von Bestätigungsfehlern/Confirmation Biases bestimmt. Hier endet der Diskurs allzu oft und Spott und Hohn sind die Folge.

Das Schreckgespenst der Konditionierung bleibt als fahler Nachgeschmack zurück.

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Immer wieder hört man von der „Beziehung“ zwischen Hund und Halter. Eine angenehme Beziehung baut sich u.a. durch klassische Konditionierung auf. Weil der Hund sich gut in unserer Anwesenheit fühlt , z.B. durch Spiel, verstärkt sich die soziale Beziehung.

Eines aber wissen gerade gehirnwaschenden Clickertanten sehr genau: Gerade bei Angst ist der Social Support besonders wichtig. Deswegen ist das Argument, man würde den Hund zu irgendeiner Maschine degradieren, geradezu lächerlich.

Hundeküche

Meine persönlichen Menüs für die Shibamänner – ich koche aber nicht nur, ich gebe auch roh, Tischreste und Fertigfutter. Ich bin also eine „Allesfütterin“, weswegen ich beim Kochen auf Zusätze wie Eierschalen- oder Knochenmehl verzichte.

Da ich der Auffassung bin, dass gerade japanische Hunde auch eine kohlenhydratreiche Kost brauchen, ist das bei mir durchaus vertreten, ich wechsle da auch „wild“ ab. Japaner ernährten ihre Hunde traditionell mt Reis, Gemüse und Fisch(resten), und dies seit Jahrtausenden – bei japanischen Züchtern ist das auch heute noch der Fall. Diesem Gedanken muss niemand folgen, allerdings gefällt es meinen Hunden sehr gut.

Das hier soll nur ein kurzer Abriss in das Thema „Kochen für Hunde“ sein, ich füttere eben nach inviduellem Bedarf und den gibt es nicht bei Formeln und Zahlentabellen.
Ich bin kein Freund des Konzeptes BARF und dessen Auswüchse, dennoch gebe ich auch gerne mal rohes Futter, auch Knochen dürfen meine Hunde fressen. Doch eine grundsätzliche Ernährung nach BARF-Gurus oder gar radikaleren Konzepten kommt für mich nicht in Frage.

Es herrschen viele Vorurteile zum Thema Kochen für Hunde, eines der beliebtesten Gegenargumente: Kochen töte  Mineralien ab!
Da Mineralstoffe keine Lebewesen sind, kann man sie auch nicht töten.
Erhitzen zerstört sie auch nicht – nur sehr langes Kochen in sehr viel Wasser „holen sie heraus“ und gehen verloren, wenn das Kochwasser abgeschüttet wird.
Deshalb: Immer mitverwenden, nicht wegschütten! Ich lasse alles in einem Topf und füge die Zutaten je nach Gardauer hinzu; da ich auch gerne Menschen bekoche, habe ich dafür ein gutes Gefühl. Meine Hunde mögen keine suppigen Menüs, weshalb ich alles zu einem „Brei“ verarbeite (selbst meine Suppen sind eher cremig, statt wässrig – andere Hunde mögen gerne wässrig, muss man versuchen!).

Stücke sollten aber auch vorhanden sein, der Körper will etwas zum Verdauen! Auch etwas Salz muss in Hundenahrung vorkommen, deshalb keine falsche Scheu vor etwas Salz!

Ein weiterer Streitpunkt sind die Vitamine und wie Kochen diese vernichte. Dieses schlimme Szenario stimmt so nicht, teilweise tut Hitze Vitaminen sogar gut! Wir dürfen nicht vergessen, dass Kochen dem Menschen einen evolutionären Vorteil verschaffte. Warum soll es dann bei Hunden nicht ähnlich sein, die uns seit Jahrtausenden begleiten? Mir geht es nicht darum, andere Ernährungsweisen schlecht zu reden, denn mein „Allesfütter-Konzept“ sollte durchaus beweisen, dass ich in jede Richtung offen bin. Ich glaube schlichtweg nicht daran, wenn eine Form der Ernährung verspricht, DIE artgerechte Lösung zu sein, und diese einzig und allein zur Gesunderhaltung des Hundes führe.

Gesunde Ernährung heißt für mich – hochwertig, abwechslungsreich und eben nach dem individuellen Bedarf des Hundes. Es darf auch etwas Fertiges sein, wenn der jeweilige Konsument damit am besten zurecht kommt. Ich habe aber „Hausschweine“, die jeden Tag anders gefüttert werden können.

Zum Abschluss lasse ich Bilder sprechen und den Hinweis, dass meine Hunde Gekochtes favorisieren. 😉

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Lasagne: Fleischsauce mit Hack und Leberstücken und passierten Tomaten, Zucchini, Erbsen. Geschichtet mit Nudelplatten und als Abschluss etwas Saure Sahne/Crème fraîche und Käse nach Wahl (Parmesan eignet sich besonders gut)

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Spaghetti Bolognese: Hackfleisch in Wasser mit etwas Tomatenmark gekocht, Spaghetti, Zucchini und gehackte Petersilie

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Halbroh: Cremiger Waldbeeren-Reis mit Karotten und laktosefreiem Frischkäse, gehackte Kräuter. Dazu rohes Rinderhack und ein im Kochwasser gekochtes 6-Minuten-Ei

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Winterliches Kürbissüppchen mit Pute, Karotten, Kartoffeln, Äpfeln, etwas geriebener Ingwer und einem Schuss ungesüßte Kokosmilch

fischessen (1 von 2)
Vegetarisch: Reis mit Schafsjoghurt, Petersilienwurzel, Zucchini und Äpfeln

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Fischeintopf (Seelachs) mit Hafer, Petersilienwurzel, Zucchini

Kleine Anmerkung:
Öle gebe ich immer ins lauwarme oder kalte Essen. Lachsöl gebe ich beim Kochen nie, sondern hochwertige Pflanzenöle:
Leinöl, Hanföl, Kokosöl, Walnussöl, manchmal auch Olivenöl, usw.
Tierisches Fett kann man prima mit Schmalz (Gans, Pferd…) ergänzen.