Forum

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Lange hat es gedauert, aber nun haben Sadako und ich uns entschlossen, ein eigenes Forum rund um Hunde zum Leben zu erwecken.

Es ist tatsächlich ein allgemeines Forum, das keiner Philosophie unterworfen ist, obwohl wir natürlich unseren Erziehungsstil vertreten und besprechen.
Dennoch schließen wir niemanden aus, außer er propagiert Starkzwangmittel und deutliche Gewalt. Wobei „ausschließen“ das falsche Wort ist, aber auf viel Gegenliebe wird derjenige nicht stoßen. Auch Trolle werden auf Dauer nicht geduldet, die normale Netiquette eben.

Debatten sind erwünscht und sollten mit stichhaltigen Argumenten unterfüttert werden, so sachlich es eben geht. Wer eine Meinung äußert, darf sich nicht gleich abgewertet fühlen, weil dieseKritik hervorruft.

Ob wirs „besser“ machen als andere Foren, das steht noch in den Sternen, ich weiß aber, dass ich fair bleiben kann, auch wenn ich jemanden auf persönlicher Ebene nicht mögen sollte.

Schaut euch um auf Maulkorbfrei.net!

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Hochheben = Verhätscheln?

Ich muss das nun einfach zwischen meine unzähligen, vorbereiteten Einträge schieben, weil ich immer weider lesen muss, wie manch „verhätschelter Hund“ und „Kinderersatz“ ja das Pöbeln nur lernte, wenn man ihn hochheben würde.

Wer kennt das nicht?
Oftmals Frauen heben ihre kleinen, bellenden Hunde – manch einer nennt sie liebevoll „Kläffer“ und „Fußhupen“ – hoch, sobald ein anderer Hund in die Nähe kommt.
Sofort hört man den Hundehalter des anderen Hundes belehrend sagen, murmeln oder gar meckern, dass dies wieder typisch für die „ganzen unerzogenen Kleinhunde“ sei.

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[Wird er nun sich in seinem Rang erhöht fühlen?]

Nun, zu erst einmal ganz nüchtern betrachtet, ist es einfacher einen kleinen, leichten Hund hochzuheben, als einen 45-kg-Kaventsmann, den man kräftemäßig kaum von Boden bekommt. Auch ist es einleuchtend, dass sich ein Hund ab einem bestimmten Stockmaß rein körperlich besser wehren könnte, als ein Hund, der kleiner ist als so manche Katze.
Ich bin zwar dafür, dass auch Kleinhunde als vollwertige Hunde gesehen werden mit all den Bedürfnissen, die auch große Hunde haben, dennoch sieht die Welt für so einen Zwerg einfach anders aus.
Sie müssen bei den meisten Dingen in ihrem Leben hochschauen. Für einen Hund, der unterhalb von einem halben Meter Stockmaß ist, sind alleine schon Fußgängerzonen perspektivisch gruseliger als für einen Hund, der darüber reicht. Wie bedrohlich muss eine Menschenansammlung auf Hunde wirken, die nur halb so groß wie Katzen sind?
Selbiges gilt für Hundebegegnungen. Wenn da ein klischeemäßig gut beleibter Trampel-Labbi angaloppiert kommt, der ja „nix tut“, wird das ein einigermaßen souveräner Hund in einer vergleichbaren Größe weniger Furcht erregend finden, als ein Chihuahua. Woher soll dieser denn wissen, dass das Antrampeln nett gemeint ist, so ganz ohne höfliche Annäherung des Fiddle-About-Hörtnix?
Warum soll es nicht legitim sein, dass

  • der Kleinhund (oder auch der große Wauz) bellt, knurrt, schreit
  • der Halter seinen Hund im Kleinformat beschützt, indem er ihn hochhebt und sich mit ihm abwendet
  • der Hund aus dem Kontakt hochgehoben wird, wenn man zuerst ihn erlaubt hat, der Hund aber doch überfordert ist, bspw. wenn er zum „Spielen“ gedrängt wird?

Überhaupt hat ein durchdachtes Hochheben überhaupt nichts mit Verhätscheln zu tun.
Natürlich könnte nun eingeworfen werden, dass sich der Hund im wahrsten Sinne des Wortes „überhöht“ vorkommt und nun ganz den Dicken markiert.
Mag auch so aussehen, stammt aber immer noch aus der Zeit und den Kreisen, in denen Hunde irgendwelchen Weltherrschaftsfantasien unterstellt wurde, die an jeder Ecke irgendwie respektlos sein sollen und im Rang aufsteigen wollen.

Objektiv gesehen ist es ganz einfach:
Der Hund möchte den unangenehmen Kontakt immer noch vertreiben, auch auf dem Arm des Halters. Das ist dem Erregungsniveau geschuldet, in dem sich der Hund nach wie vor befindet. Erst beim Weggehen beruhigt sich der Kleine langsam. Das Bedürfnis des Hundes ist also nicht, sich aufzuspielen und zu „pöbeln“, sondern um sich die Gefahr vom Leib zu halten.

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[Die machen das schon unter sich aus! Wäre der Hund rechts nicht lieber auf dem Arm stattdessen?]

Es ist für den anderen Hundehalter doch völlig irrelevant, was der „verhätschelnde Besitzer“ des Kleinhundes mit seinem Hund anstellt! Wieso interessiert es diese Leute, ob der Zwerg nun „noch mehr pöbeln wird“?
Meine persönliche Erfahrung ist immer wieder, dass die Halter des großen Hundes nur schimpfen, weil ihr eigener Hund, der ja ansonsten so genial im Gehorsam steht (durch richtig tolle Rudelführermethoden), abdreht wie ein Berseker, weil er eben noch nicht gelernt hat, adäquat mit dem Reiz umzugehen. Es ist jedes Mal wieder entlarvend, wie schnell so eine Hemmung ins Wanken gerät, sobald der ins Meideverhalten gedrängte Untertan mit unbekannten Situationen konfrontiert wird.
Wenn also der eigene Hund nicht ausrastet, sondern auch dann völlig ruhig bleibt, was kümmert es mich, ob das Hundegegenüber hochgenommen wird und vom Arm kläfft?
Ja, richtig, es kümmert mich überhaupt nicht. Genauso wenig kümmert es mich als Mensch, ob mein Gegenüber Kleidung anhat, die mir nicht gefällt. Es tangiert mich nicht. Selbst wenn mein Hund auf das Hochheben des anderen reagieren würde, wäre es alleinig mein Problem, meinem Hund beizubringen, dass dies keine große Sache ist. So wie ich ihnen auch beibringe, dass Tutnixe, die in uns hineinknallen mit Nichtbeachtung gestraft werden und wir von dannen ziehen. Konsequent!

Übrigens hebe ich meine Shibas manchmal noch heute hoch; das ist der Luxus, den ich mir mit Hunden gönne, die zwar kein Miniformat haben, aber auch keine Kaventsmänner sind. Ich tue das in beengten Situationen, in denen ich weiß, dass Akuma sie nicht so gut beherrscht. Ich nehme ihn hoch und drehe ihn vom Auslöser weg – ich lasse den Menschen die Zeit mit ihren Hunden vorbeizugehen. Weder lernt Akuma mit der Situation besser umzugehen, noch fühlt er sich nun „stärker und pöbelt noch mehr“ (Das Gegenteil ist der Fall, diese Notfalltechnik hat bewirkt, dass er auf dem Arm ruhig ist oder maximal leise vor sich hinbrummt statt richtig loszulegen!). Er hat aber gelernt, dass er nicht mehr ausrasten muss, dass wir für jede Situation eine Lösung parat haben.
Dieses Vorgehen macht hier Schule. Nicht nur beobachte ich den vermehrten Einsatz von Leckerlis bei Hundebegegnungen, sondern auch ein Hochnehmen im Zweifelsfall, das Stress vermeidet, was vorher scheinbar eine Todsünde war.

Manchmal, es ist selten, aber es kommt vor, wünschte ich, ich würde meine Kaventsmänner von Pflegehunden auch hochheben können, um meine Ruhe zu haben. 😉

„Huskys – wunderschön, aber oft falsch verstanden“

Ich habe mir die neuste Ausgabe der WUFF gekauft.
1. Es gibt einen Artikel über Huskys
2. und ein Rasseportrait über den Basenji
3. ein Hundefotografie-Beitrag

Was mich an den WUFF-Artikeln schon immer ein bisschen gestört hat, ist die Kürze bzw. das Unausführliche, allerdings erwarte ich das bei einem Blatt von 3,90 Euro gar nicht. Ich fand die Artikel recht ansprechend gestaltet und durchaus lesenswert – bis ich auf den Husky-Kommentar von Martin Eigentler („Der Husky-Mann“) stieß. Ich habe, weil ich das unhöflich erachte, den Artikel eben nicht im Zeitschriftenladen angelesen, denn sonst hätte ich mir das Geld gespart. UPDATE Mittlerweile hier online verfügbar.
Fairerweise muss ich sagen, dass der selbsternannte Husky-Experte schon bei der Sendung mit Martin Rütter eher unexpertenhaft anmutete und ich einige Kritikpunkte niederschreiben wollte, es aber gelassen habe. Bei dem kurzen Statement in der WUFF aber… es fehlen mir fast schon ein wenig die Worte.

Ganz frei heraus:
Würde der Herr die Natur der Huskys/Schlittenhunde/Nordischen verstehen, würde er keine Rennen wie den „Iron Sleddog Man“ absolvieren. Denn, und nun erschreckend für viele:
Der Siberian Husky war gar kein Laufhund!
Der ursprüngliche Husky aus diesen Gefielden war ein kräftig gebauter, kurzbeiniger Hund, der gar nicht für Schnelligkeit und Ausdauer ausgelegt war. Er war ein Hund, der seinen eigenen Kopf hatte, jagdlich interessiert und sehr unabhängig, weswegen die Menschen es schnell aufgegeben hatten, ihn für die Jagd zu nutzen. Er kooperierte nämlich weniger gut als andere Hunde. Stattdessen hat man ihn angefüttert und für den Winter später von den Schlitten gespannt: Als Lastentier.
Irgendwann  wurde dann aus den Staffelläufen in den Versorgungsgebieten, die mit Schlitten befahren wurden, die heutigen Rennen, bei denen es um Geschwindigkeit und Ausdauer geht. Die Huskys wurden hochbeiniger und schlanker.

Wie der Alaskan Malamute, der Grönlandhund und der Samojede (!) noch heute als Lastenzieher gelten, war der Siberian Husky aber eigentlich kein edler Läufer – und untrainiert muss ein Husky auch nicht ständig bewegt werden, wie viele Musher es propagieren.
Er ist ein sportlicher, aktiver Hund in der Regel, der aber nicht nur dummgelaufen werden will, sondern der auch sein Köpfchen nutzen mag.
Es ist kein Zufall, dass in Renn-Musher-Gespannen fast keine Grönländer oder gar Samojeden zu finden sind, obwohl sie auch zu den klassischen Schlittenhunden gehören. Es ist des Weiteren kein Zufall, dass Hunde wie die Alaskan Huskys oder einzelne Laiki-Rassen die Gespanne erweitern, bishin zu verschiedenen Hound-Typen, die wesentlich kooperativer als die Nordischen sind.

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Auch „der Husky-Mann“ schürt die bekannten Musher-Klischees und es war für mich erschreckend, wie viel Plattform dieser Mensch für die verstaubten „Tatsachen“ bekommt.

Ich spreche durch meine Tierschutzarbeit mindestens ein Mal wöchentlich mit Schlittenhundbesitzern, die ihren Hund abgeben. Ich stimme Martin Eigentler insofern zu, dass es oft die Überforderung mit ihren Hunden (tendenziell Rüden in dem angesprochenen Alter von ca. einem Jahr) ist, die die Menschen antreibt, sich von ihrem Tier zu trennen.
Das hat aber nichts mit fehlender „Rudelhaltung“ (egal wie ursprünglich die hübschen Sibirier sind, es sind Hunde und keine Wölfe. Eine vom Menschen zusammengeworfene Gruppe ist de faco kein Rudel) oder „mangelnder Bewegung“ zu tun.
Die Hunde fordern diese auch nicht ein – sie kommen schlicht und ergreifend in die Pubertät. Sie nehmen nicht mehr alles hin, was der Mensch verlangt, sie mögen vielleicht nicht mehr jeden Artgenossen, sie können sich kaum konzentrieren, reagieren statt nachzudenken, etc.
Sie haben wahrscheinlich noch nicht erlernt zu entspannen, sie werden mit Rangreduktionsmaßnahmen gefügig gemacht und lehnen sich auf, sie funktionieren einfach nicht, wie der Mensch das von einem Hund erwartet. In dieser Beziehung sind die Nordischen nun einmal besonders.

tumblr_n761sdkNYd1rb5pbho7_1280[Husky-Akita-Mix]

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[Alaskan Malamute]

Ich finde es unverantwortlich, wenn ein Schlittenhund“experte“ quasi verlautbart, dass ein acht (!) Monate alter Schlittenjunghund nicht mehr körperlich ausgelastet werden kann und vor den Schlitten gehört. Der Hund befindet sich im Wachstum und sollte erst langsam an die Zugarbeit gewöhnt werden.
Es geht in Wahrheit um ganz andere hundliche Bedürfnisse als um die mangelnde „Arbeit“: Es geht ums Erwachsenwerden, um den Freigeist und um vernünftige Beschäftigung, die rassegerecht erfolgen muss. Der Siberian Husky ist ein intelligenter Hund, der vor allem auch geistig gefördert werden sollte. Natürlich ist ein körperlich erschöpfter Hund unauffällig und in der Weise, in der Martin Eigentler mit den Hunden lebt, mag das auch genügen (vorbildlich ist, dass er auf die übliche Ketten- und Zwingerhaltung verzichtet, die einzig und allein dazu dient zu kaschieren, dass Gruppenhaltung eben Reibungen beinhalten und es durchaus täglich zu Auseinandersetzungen in solchen Meuten kommen kann!).
Einem Husky, der bei seinen Menschen in der Familie lebt, ist die geistige Förderung seiner Fähigkeiten wichtiger, ebenso das gemeinsame Erleben des Alltags! Zugarbeit oder Ersatzakitivitäten wie Dog Scooter sind eine nette Idee, ist aber auch für einen Schlittenhund kein Muss! Huskys sind glücklich, wenn sie mit ihren Menschen durch die Gegend ziehen können bei moderater Bewegung, selbst die ein oder andere Entscheidung treffen können, vielleicht Fährtenspiele machen, ab und an mit zum Joggen gehen dürfen, vielleicht mal mit anderen Hunden in der organsisierten Gruppe laufen und zu entspannen gelernt haben!

Schlittenhunde gehören auch nicht nach draußen, sondern genießen es, bei ihren Menschen im Haus zu wohnen. Selbst Hunde, die jahrelang im Zwinger gehalten wurden, finden schnell Gefallen, in der Familie zu leben. Es mag nicht der Romantik der „Wildheit der ursprünglichen Nordischen“ entsprechen, aber der Husky hat nicht umsonst den Ruf, sehr menschenverbunden zu sein; sofern er gerecht behandelt wird.

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Dies ist auch der Grund, warum ich keinen mir anvertrauten Schlittenhund in Musher-Hände vermittle – nicht nur, weil ich nicht an dieses Modell glaube, sondern weil der Ausschuss der ausgedienten Schlittenhunde sehr oft im Tierschutz landet (allgemein gesprochen!).

Wenn Herr Eigentler davon spricht, dass ein Leben draußen, in der Gruppe und an Rennen teilnehmen „artgerecht“ sein soll, kann ich mit meinen Ausführungen eben nur dagegen halten. Nein, der Husky ist kein idealer Familienhund, der nebenbei läuft. Er ist ein anspruchsvoller Begleiter, der gefordert und gefördert werden will, aber auch lernen MUSS, eine ruhige Kugel zu schieben; ansonsten hat man hüpfend-schreiende Hunde im Gespann, die vor lauter Aufregung fast umfallen, was dann als „triebig“ bezeichnet wird.

Herr Eigentler sieht das Glück seiner Hunde – wie im Artikel angedeutet – scheinbar durch die enorme körperliche Auslastung seiner Hunde – ich sehe Glück im Gesicht jener betreuten und vermittelten Schlittenhunde, wenn sie mit ihren Menschen die Natur erkunden und dann zufrieden im Körbchen oder auf dem Sofa oder am Boden vor dem Kamin liegen (in Sibirien ist der Sommer bis zu 40 Grad heiß, auch wenn es dem Kälte-Mythos der Siberian Huskys nicht entspricht!), schlafen und wuffend von ihren Erlebnissen träumen.

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