Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann: Schreckgespenst Konditionierung

Hundediskussionen sind bunt. Meist geben sich allerlei Menschen verschiedenster Schläge ein Stelldichein der Wortgefechte um Hundeerziehung. So unterschiedlich die meisten Ansätze auch sein mögen, meist schließen sich viele Richtungen gegen eine zusammen:

Die Clickertanten, die ihre Hunde zu hirnlosen Konditionierungsmaschinen degradieren. Die Wattebauschwerfer, die einzig nur dem behavoristischen Modell hinterherrennen und die das Bauchgefühl schon längst verloren haben. Die Grünschleifen, denen nicht bewusst ist, das Zwang zum Leben dazugehört und die gegen jeden Stress ein Bonbon („Leckerli“) werfen, während sie „Lalala“-singend durch den Wald tanzen.

Der Schwarze Mann
Ganz einfach ausgedrückt, ist die Konditionierung eine Form des Lernens, die mit einigen anderen Lerntheorien eng verzahnt ist. Wird einem Welpe von seiner Mutter gezeigt, welches Futter besonders genießbar ist, entscheidet der Geschmack des Hundekindes darüber, ob es diese Speise zu schätzen weiß und künftig fressen wird.
Die Grundprinzipien des Konditionierens habe ich bereits erklärt. Ein normales Maß an Konditionierung, die bei jeder Verhaltensmodifikation (sowohl operant als auch klassisch!) eine Rolle spielt, ist weder eine Gehirnwäsche noch eine roboterähnliche Programmierung („Reiz-Reaktions-Maschine“), die den Hund seiner Persönlichkeit beraubt. Man kann aus einem zurückhaltenden Typ keinen Draufgänger machen, aber z.B. kann man das Selbstbewusstsein eines Hundes stärken, damit er etwas aus sich herauskommt.

Es ist falsch, dass Hundeausbilder, die sich der Konditionierung bewusst bedienen, alle anderen Lerntheorien verneinen oder sie nicht berücksichtigen. Hundeausbilder, die sich mit dem Lebewesen Hund als solches beschäftigen, und deswegen ängstigende und unangenehme Ausbildungsmethoden ablehnen, betonen die soziale und individuelle Komponente eines jeden Hundes und achten stark auf einladende und freundliche Körperhaltung im Training. Sie gestalten die Aufgaben nach Neigungen und Fähigkeiten des jeweiligen Hundes und führen ihn gekonnt zum Erfolg. Auch wird wert auf soziale Kompetenzen gelegt und bei schwacher, geschädigter oder nicht vorhandener Kompetenz wird der Hund behutsam an diese herangeführt.
Gute Trainer verzichten hierbei auf das Lernen über Versuch & Irrtum, da gerade Hunde mit Verhaltensproblematiken dazu neigen, durch Ausführen des Fehlverhaltens diese noch einzuüben (vgl. hier).

Deswegen bedienen sich diese guten Trainer der Verhaltensmodifikation über bestimmte Quadranten der operanten Konditionierung und der Gefühlsebene auf Grundlage der klassischen Konditionierung. Es geht darum, dass der Hund sich gut fühlt und dadurch motiviert wird, Verhaltensweisen kreativ zu zeigen, für die er dann entsprechend belohnt wird – damit diese wiederholt gezeigt und verfestigt werden. Den Hund dabei verdummen zu lassen, ist nicht das Ziel. Er soll in einem förderlichen Umfeld lernen, selbst Strategien zu entwickeln und durch fehlerfreies Gestalten Erfolge spüren. Das führt im besten Falle zu einem selbstständigen, sozialkompetenten Hund, der eigene Lösungen anbietet und im Notfall auf die eingeübten, belohnten Verhaltensweisen zurückgreift. Diese trainierten Verhaltensketten sind quasi Sicherheitsnetze.

Ein Phänomen: Die Konditionierungsleugner
Diese Fraktion streitet ab, selbst zu konditionieren. Sie wollen ihr Augenmerk darauf legen, mit dem Hund so naturnah wie möglich zu kommunizieren. Dabei bedienen sie sich der eher holprigen verhundlichten Körpersprache und konzentrieren sich allzu oft auf „Verhalten tadeln“, indem sie ihrem Hund klarmachen, dass dies und jenes gerade nicht so toll war. Das erreichen sie über bedrohliche Gebärden und Laute, die sowohl klassisch wie operant konditionieren. Ohne es also zu wollen, bedienen sie sich dem Schreckgespenst der Konditionierung. Das ist auch unvermeidlich, schließlich begegnen sie einer Aktion mit einer Reaktion, um Verhalten zu ändern. Auch ein Ausbleiben von einer unangenehmen Konsequenz gehört zur operanten Konditionierung. Indem ich von außen richtungsweisend mit Konsequenzen auf einen anderen einwirke, auch sogenannte soziale Sanktionen wie Ausschluss aus der Gruppe sind lerntheoretische Strafen, ist das ein ein Teil der operanten Konditionierung: Ob bewusst oder unbewusst!
Mit Phrasen wie „Persönlichkeit statt Leckerli“, „Kommunizieren statt Konditionieren“ oder ähnlichen Konstrukten nähren sie die Angst vor der Robotisierung der Hunde durch den Menschen. Ihre Ablehnung beruht auf dem Unwissen, dem sie aufsitzen. Die Konditionierung ist ein natürlicher Prozess, der sinnvoll ist und dem niemand entkommt. Man denke nur an ein aufziehendes Gewitter, das uns dazu veranlasst, die Fenster zu schließen. Dieser Vorgang heißt Reizkontrolle und wird in der Hundeausbildung legitim genutzt, um Signale beizubringen. Aber auch in der Erziehung ohne bewusst ausgewählte Signale kommt sie täglich vor: Immer dann, wenn der Hund tut, was er soll oder lässt, was er nicht soll, nachdem man den Hund „erfolgreich über eine bestimmte Zeit erzogen hat“. Es liegt also nicht an unserer umwerfenden Ausstrahlung oder unserer konditionierungsfreien Kommunikation. Sondern an etablierten Konditionierungsprozessen, die wir unbewusst genutzt haben.

Besonders findige Trainer behaupten gar, dass die Konditionierung dem Hund die Wahl überlässt, einen Befehl zu befolgen. Dies widerspricht der eigentlichen Kritik vom hirnlos ausführenden Roboter, dessen Gehirn so gewaschen wurde, dass er keine Wahl mehr hat. Augenscheinlich meinen diese Zeitgenossen aber die Ausbildung über Leckerlis, die einen Teil der operanten Konditionierung darstellen kann. Wer belohnungsbasiertes Hundetraining mit Leckerlis gleichsetzt, dem sei dieser Artikel empfohlen.
Die Frage, die ich mir stelle, bleibt aber: Wie erreichen diese Trainer denn zuverlässigen Gehorsam?

Ich persönlich beobachte gerade, dass Hunde aus der Hand der „Kommunizierer“ bzw. der „Persönlichkeiten“, oftmals sehr gehemmt in der Zusammenarbeit mit dem Menschen wirken.  Hunde, die kaum eigene Ideen einbringen, weil sie viel zu oft für angeblich falsches Verhalten gerügt werden; ihre Kreativität wird geradezu unterdrückt. Für das, dass die Konditionierungsgegner eine Fremdbestimmung durch Konditionierung ablehnen, zeigt sich die Wirkung eben dieser bei gehemmt-eingeschüchterten Hunden besonders deutlich.

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Apportieren bringt man über operante Konditionierung bei. Macht es deshalb keine Freude? Oder ist ein Apport über positive Verstärkung gar schlechter als einer über „Persönlichkeit des Hundeführers“?

„Gemäßigte“ Hundeausbildung
Diese suggeriert, dass der Mittelweg der goldene ist. Dabei bedienen sich diese Menschen ganz bewusst aller Quadranten der operanten Konditionierung und behaupten, dass auch unschöne Konsequenzen zum Leben gehören. Das klingt zunächst logisch und kompromissbereit, in Wahrheit aber zielt diese Argumentation darauf ab, dass einer Erziehung oder einem Training, das auf Belohnungen basiert, aberkannt wird, sie/es setze Grenzen. Der Hund könne gar nicht lernen, mit Reibungen umzugehen, weil er nicht konfrontiert werden würde. Eine Ausbildung und Anleitung über betont positive Verstärkung sei quasi antiautoritär bzw. permissiv/laissez-faire.
Als Hundehalter bzw. -trainer greift man allerdings aktiv in die Entscheidungen des Hundes ein, auch wenn das über Clickern geschehen sollte. Der Hund erhält nicht nur Rückmeldungen auf gezeigtes Verhalten, sondern wird willentlich zum Zeigen eines bestimmten oder unbestimmten Verhaltens stimuliert. Aus diesem Verhalten kann ein Zielverhalten geformt werden oder aber es erhält keinerlei Bestätigung mehr. Grenzen werden dem Hund gesetzt, indem man ihm das gewünschte Verhalten beibringt und es als Regel etabliert. Auch wird der Hund mit stressauslösenden Reizen bekannt gemacht, allerdings versucht man innerhalb seiner persönlichen Leistungsgrenze zu bleiben und bevorzugt es, das Kennenlernen mit positiven Assoziationen zu verknüpfen. Dies beinhaltet meist eine adäquate Verhaltensweise zum jeweiligen Reiz: Der Hund lernt, wie er mit dem Stress umgehen kann, weil er nicht überfordert wird.
Diese Manipulation ist unumgänglich, wenn man Verhalten aktiv beeinflussen will, ganz gleich welche Art der Hundeerziehung man betreibt. Auch ein gemäßigter Trainer formt Verhalten, indem er Rückmeldung abgibt und Verhalten provoziert. Er bedient sich eben nicht nur der angenehmen Rückmeldung oder Stimulanz, sondern auch der unangenehmen. Er setzt meist Grenzen über Verbote.

Oft möchte sich der gemäßigte Hundeausbilder zusätzlich abheben, indem er die soziale Komponente anspricht, die er trotz Konditionierung nicht außer Acht lässt – er rät gerne zum Bauchgefühl.
Dabei entsteht eine gute Intuition genau dann, wenn Wissen die Basis ist. Mein Bauchgefühl mag sich nämlich gut und gerne mit meinem angehäuften Wissen verändern. Statt eines aggressives Abblocken am Essenstisch kann meine Intuition sich soweit verschieben, dem Hund beizubringen, wie er sich genau verhalten soll.

Viele gemäßigte Trainer sind aufgrund ihres (falschen) Wissens auch der Meinung, man müsse einen ängstlichen Hund ignorieren, um seine Angst nicht zu verstärken – das mache der Rudelführer instinktiv auch so. Obwohl bereits hinlänglich bekannt ist, dass dies nicht der Fall ist, beharren sie darauf. Hier setzt oft die Belief Perseverance ein. Überhaupt ist diese unleidliche  Debatte oft von Bestätigungsfehlern/Confirmation Biases bestimmt. Hier endet der Diskurs allzu oft und Spott und Hohn sind die Folge.

Das Schreckgespenst der Konditionierung bleibt als fahler Nachgeschmack zurück.

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Immer wieder hört man von der „Beziehung“ zwischen Hund und Halter. Eine angenehme Beziehung baut sich u.a. durch klassische Konditionierung auf. Weil der Hund sich gut in unserer Anwesenheit fühlt , z.B. durch Spiel, verstärkt sich die soziale Beziehung.

Eines aber wissen gerade gehirnwaschenden Clickertanten sehr genau: Gerade bei Angst ist der Social Support besonders wichtig. Deswegen ist das Argument, man würde den Hund zu irgendeiner Maschine degradieren, geradezu lächerlich.

Hundeküche

Meine persönlichen Menüs für die Shibamänner – ich koche aber nicht nur, ich gebe auch roh, Tischreste und Fertigfutter. Ich bin also eine „Allesfütterin“, weswegen ich beim Kochen auf Zusätze wie Eierschalen- oder Knochenmehl verzichte.

Da ich der Auffassung bin, dass gerade japanische Hunde auch eine kohlenhydratreiche Kost brauchen, ist das bei mir durchaus vertreten, ich wechsle da auch „wild“ ab. Japaner ernährten ihre Hunde traditionell mt Reis, Gemüse und Fisch(resten), und dies seit Jahrtausenden – bei japanischen Züchtern ist das auch heute noch der Fall. Diesem Gedanken muss niemand folgen, allerdings gefällt es meinen Hunden sehr gut.

Das hier soll nur ein kurzer Abriss in das Thema „Kochen für Hunde“ sein, ich füttere eben nach inviduellem Bedarf und den gibt es nicht bei Formeln und Zahlentabellen.
Ich bin kein Freund des Konzeptes BARF und dessen Auswüchse, dennoch gebe ich auch gerne mal rohes Futter, auch Knochen dürfen meine Hunde fressen. Doch eine grundsätzliche Ernährung nach BARF-Gurus oder gar radikaleren Konzepten kommt für mich nicht in Frage.

Es herrschen viele Vorurteile zum Thema Kochen für Hunde, eines der beliebtesten Gegenargumente: Kochen töte  Mineralien ab!
Da Mineralstoffe keine Lebewesen sind, kann man sie auch nicht töten.
Erhitzen zerstört sie auch nicht – nur sehr langes Kochen in sehr viel Wasser „holen sie heraus“ und gehen verloren, wenn das Kochwasser abgeschüttet wird.
Deshalb: Immer mitverwenden, nicht wegschütten! Ich lasse alles in einem Topf und füge die Zutaten je nach Gardauer hinzu; da ich auch gerne Menschen bekoche, habe ich dafür ein gutes Gefühl. Meine Hunde mögen keine suppigen Menüs, weshalb ich alles zu einem „Brei“ verarbeite (selbst meine Suppen sind eher cremig, statt wässrig – andere Hunde mögen gerne wässrig, muss man versuchen!).

Stücke sollten aber auch vorhanden sein, der Körper will etwas zum Verdauen! Auch etwas Salz muss in Hundenahrung vorkommen, deshalb keine falsche Scheu vor etwas Salz!

Ein weiterer Streitpunkt sind die Vitamine und wie Kochen diese vernichte. Dieses schlimme Szenario stimmt so nicht, teilweise tut Hitze Vitaminen sogar gut! Wir dürfen nicht vergessen, dass Kochen dem Menschen einen evolutionären Vorteil verschaffte. Warum soll es dann bei Hunden nicht ähnlich sein, die uns seit Jahrtausenden begleiten? Mir geht es nicht darum, andere Ernährungsweisen schlecht zu reden, denn mein „Allesfütter-Konzept“ sollte durchaus beweisen, dass ich in jede Richtung offen bin. Ich glaube schlichtweg nicht daran, wenn eine Form der Ernährung verspricht, DIE artgerechte Lösung zu sein, und diese einzig und allein zur Gesunderhaltung des Hundes führe.

Gesunde Ernährung heißt für mich – hochwertig, abwechslungsreich und eben nach dem individuellen Bedarf des Hundes. Es darf auch etwas Fertiges sein, wenn der jeweilige Konsument damit am besten zurecht kommt. Ich habe aber „Hausschweine“, die jeden Tag anders gefüttert werden können.

Zum Abschluss lasse ich Bilder sprechen und den Hinweis, dass meine Hunde Gekochtes favorisieren. 😉

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Lasagne: Fleischsauce mit Hack und Leberstücken und passierten Tomaten, Zucchini, Erbsen. Geschichtet mit Nudelplatten und als Abschluss etwas Saure Sahne/Crème fraîche und Käse nach Wahl (Parmesan eignet sich besonders gut)

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Spaghetti Bolognese: Hackfleisch in Wasser mit etwas Tomatenmark gekocht, Spaghetti, Zucchini und gehackte Petersilie

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Halbroh: Cremiger Waldbeeren-Reis mit Karotten und laktosefreiem Frischkäse, gehackte Kräuter. Dazu rohes Rinderhack und ein im Kochwasser gekochtes 6-Minuten-Ei

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Winterliches Kürbissüppchen mit Pute, Karotten, Kartoffeln, Äpfeln, etwas geriebener Ingwer und einem Schuss ungesüßte Kokosmilch

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Vegetarisch: Reis mit Schafsjoghurt, Petersilienwurzel, Zucchini und Äpfeln

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Fischeintopf (Seelachs) mit Hafer, Petersilienwurzel, Zucchini

Kleine Anmerkung:
Öle gebe ich immer ins lauwarme oder kalte Essen. Lachsöl gebe ich beim Kochen nie, sondern hochwertige Pflanzenöle:
Leinöl, Hanföl, Kokosöl, Walnussöl, manchmal auch Olivenöl, usw.
Tierisches Fett kann man prima mit Schmalz (Gans, Pferd…) ergänzen.

„Huskys – wunderschön, aber oft falsch verstanden“

Ich habe mir die neuste Ausgabe der WUFF gekauft.
1. Es gibt einen Artikel über Huskys
2. und ein Rasseportrait über den Basenji
3. ein Hundefotografie-Beitrag

Was mich an den WUFF-Artikeln schon immer ein bisschen gestört hat, ist die Kürze bzw. das Unausführliche, allerdings erwarte ich das bei einem Blatt von 3,90 Euro gar nicht. Ich fand die Artikel recht ansprechend gestaltet und durchaus lesenswert – bis ich auf den Husky-Kommentar von Martin Eigentler („Der Husky-Mann“) stieß. Ich habe, weil ich das unhöflich erachte, den Artikel eben nicht im Zeitschriftenladen angelesen, denn sonst hätte ich mir das Geld gespart. UPDATE Mittlerweile hier online verfügbar.
Fairerweise muss ich sagen, dass der selbsternannte Husky-Experte schon bei der Sendung mit Martin Rütter eher unexpertenhaft anmutete und ich einige Kritikpunkte niederschreiben wollte, es aber gelassen habe. Bei dem kurzen Statement in der WUFF aber… es fehlen mir fast schon ein wenig die Worte.

Ganz frei heraus:
Würde der Herr die Natur der Huskys/Schlittenhunde/Nordischen verstehen, würde er keine Rennen wie den „Iron Sleddog Man“ absolvieren. Denn, und nun erschreckend für viele:
Der Siberian Husky war gar kein Laufhund!
Der ursprüngliche Husky aus diesen Gefielden war ein kräftig gebauter, kurzbeiniger Hund, der gar nicht für Schnelligkeit und Ausdauer ausgelegt war. Er war ein Hund, der seinen eigenen Kopf hatte, jagdlich interessiert und sehr unabhängig, weswegen die Menschen es schnell aufgegeben hatten, ihn für die Jagd zu nutzen. Er kooperierte nämlich weniger gut als andere Hunde. Stattdessen hat man ihn angefüttert und für den Winter später von den Schlitten gespannt: Als Lastentier.
Irgendwann  wurde dann aus den Staffelläufen in den Versorgungsgebieten, die mit Schlitten befahren wurden, die heutigen Rennen, bei denen es um Geschwindigkeit und Ausdauer geht. Die Huskys wurden hochbeiniger und schlanker.

Wie der Alaskan Malamute, der Grönlandhund und der Samojede (!) noch heute als Lastenzieher gelten, war der Siberian Husky aber eigentlich kein edler Läufer – und untrainiert muss ein Husky auch nicht ständig bewegt werden, wie viele Musher es propagieren.
Er ist ein sportlicher, aktiver Hund in der Regel, der aber nicht nur dummgelaufen werden will, sondern der auch sein Köpfchen nutzen mag.
Es ist kein Zufall, dass in Renn-Musher-Gespannen fast keine Grönländer oder gar Samojeden zu finden sind, obwohl sie auch zu den klassischen Schlittenhunden gehören. Es ist des Weiteren kein Zufall, dass Hunde wie die Alaskan Huskys oder einzelne Laiki-Rassen die Gespanne erweitern, bishin zu verschiedenen Hound-Typen, die wesentlich kooperativer als die Nordischen sind.

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Auch „der Husky-Mann“ schürt die bekannten Musher-Klischees und es war für mich erschreckend, wie viel Plattform dieser Mensch für die verstaubten „Tatsachen“ bekommt.

Ich spreche durch meine Tierschutzarbeit mindestens ein Mal wöchentlich mit Schlittenhundbesitzern, die ihren Hund abgeben. Ich stimme Martin Eigentler insofern zu, dass es oft die Überforderung mit ihren Hunden (tendenziell Rüden in dem angesprochenen Alter von ca. einem Jahr) ist, die die Menschen antreibt, sich von ihrem Tier zu trennen.
Das hat aber nichts mit fehlender „Rudelhaltung“ (egal wie ursprünglich die hübschen Sibirier sind, es sind Hunde und keine Wölfe. Eine vom Menschen zusammengeworfene Gruppe ist de faco kein Rudel) oder „mangelnder Bewegung“ zu tun.
Die Hunde fordern diese auch nicht ein – sie kommen schlicht und ergreifend in die Pubertät. Sie nehmen nicht mehr alles hin, was der Mensch verlangt, sie mögen vielleicht nicht mehr jeden Artgenossen, sie können sich kaum konzentrieren, reagieren statt nachzudenken, etc.
Sie haben wahrscheinlich noch nicht erlernt zu entspannen, sie werden mit Rangreduktionsmaßnahmen gefügig gemacht und lehnen sich auf, sie funktionieren einfach nicht, wie der Mensch das von einem Hund erwartet. In dieser Beziehung sind die Nordischen nun einmal besonders.

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[Alaskan Malamute]

Ich finde es unverantwortlich, wenn ein Schlittenhund“experte“ quasi verlautbart, dass ein acht (!) Monate alter Schlittenjunghund nicht mehr körperlich ausgelastet werden kann und vor den Schlitten gehört. Der Hund befindet sich im Wachstum und sollte erst langsam an die Zugarbeit gewöhnt werden.
Es geht in Wahrheit um ganz andere hundliche Bedürfnisse als um die mangelnde „Arbeit“: Es geht ums Erwachsenwerden, um den Freigeist und um vernünftige Beschäftigung, die rassegerecht erfolgen muss. Der Siberian Husky ist ein intelligenter Hund, der vor allem auch geistig gefördert werden sollte. Natürlich ist ein körperlich erschöpfter Hund unauffällig und in der Weise, in der Martin Eigentler mit den Hunden lebt, mag das auch genügen (vorbildlich ist, dass er auf die übliche Ketten- und Zwingerhaltung verzichtet, die einzig und allein dazu dient zu kaschieren, dass Gruppenhaltung eben Reibungen beinhalten und es durchaus täglich zu Auseinandersetzungen in solchen Meuten kommen kann!).
Einem Husky, der bei seinen Menschen in der Familie lebt, ist die geistige Förderung seiner Fähigkeiten wichtiger, ebenso das gemeinsame Erleben des Alltags! Zugarbeit oder Ersatzakitivitäten wie Dog Scooter sind eine nette Idee, ist aber auch für einen Schlittenhund kein Muss! Huskys sind glücklich, wenn sie mit ihren Menschen durch die Gegend ziehen können bei moderater Bewegung, selbst die ein oder andere Entscheidung treffen können, vielleicht Fährtenspiele machen, ab und an mit zum Joggen gehen dürfen, vielleicht mal mit anderen Hunden in der organsisierten Gruppe laufen und zu entspannen gelernt haben!

Schlittenhunde gehören auch nicht nach draußen, sondern genießen es, bei ihren Menschen im Haus zu wohnen. Selbst Hunde, die jahrelang im Zwinger gehalten wurden, finden schnell Gefallen, in der Familie zu leben. Es mag nicht der Romantik der „Wildheit der ursprünglichen Nordischen“ entsprechen, aber der Husky hat nicht umsonst den Ruf, sehr menschenverbunden zu sein; sofern er gerecht behandelt wird.

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Dies ist auch der Grund, warum ich keinen mir anvertrauten Schlittenhund in Musher-Hände vermittle – nicht nur, weil ich nicht an dieses Modell glaube, sondern weil der Ausschuss der ausgedienten Schlittenhunde sehr oft im Tierschutz landet (allgemein gesprochen!).

Wenn Herr Eigentler davon spricht, dass ein Leben draußen, in der Gruppe und an Rennen teilnehmen „artgerecht“ sein soll, kann ich mit meinen Ausführungen eben nur dagegen halten. Nein, der Husky ist kein idealer Familienhund, der nebenbei läuft. Er ist ein anspruchsvoller Begleiter, der gefordert und gefördert werden will, aber auch lernen MUSS, eine ruhige Kugel zu schieben; ansonsten hat man hüpfend-schreiende Hunde im Gespann, die vor lauter Aufregung fast umfallen, was dann als „triebig“ bezeichnet wird.

Herr Eigentler sieht das Glück seiner Hunde – wie im Artikel angedeutet – scheinbar durch die enorme körperliche Auslastung seiner Hunde – ich sehe Glück im Gesicht jener betreuten und vermittelten Schlittenhunde, wenn sie mit ihren Menschen die Natur erkunden und dann zufrieden im Körbchen oder auf dem Sofa oder am Boden vor dem Kamin liegen (in Sibirien ist der Sommer bis zu 40 Grad heiß, auch wenn es dem Kälte-Mythos der Siberian Huskys nicht entspricht!), schlafen und wuffend von ihren Erlebnissen träumen.

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Der Nordische – Mythos und Wahrheit: Allgemeines

Sträflich habe ich hier mein virtuelles Schreibzimmer vernachlässigt. Das liegt zum einen daran, dass ich die Fotografie für mich entdeckt habe und viele Stunden am PC mit den Bildern verbringe oder aber nachlese und einfach nicht zum Schreiben komme, zum anderen mein letzter Pflegling, mit dem ich mich intensiv beschäftigen musste und jetzt einfach genieße, dass meine eigenen Hunde, mit all ihren Problemen behaftet, schon sehr von alleine laufen. Ich trainiere derzeit gar nichts weiter mit ihnen und merke, dass sie weder unausgelastet noch anderweitig gelangweilt erscheinen. Wenn etwas ansteht, dann werde ich auch gezielt wieder etwas auftrainieren, momentan begnügen wir uns mit „Verhalten einfangen“, wenn überhaupt.

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Akuma hatte durch die WM-Knallereien und Gewitter einen deprivationssyndrombedingten Rückfall gehabt, weil er von Stresshormonen geradezu geflutet wurde (und er hat natürlich nicht gemerkt, dass ihm die Knallgeräusche nichts tun!) – wir mussten es also ruhig angehen lassen und ein paar Dinge auffrischen, also positive Verknüpfungen stärken, die er eigentlich bereits beherrschte.

Missverstandene, nordische Schönheit
Mein letzter Pflegling, ein Mischling aus japanischem Akita und Siberian Husky, war eine andere Herausforderung. Mit nicht einmal einem Jahr war hier sein viertes Zuhause auf Zeit, das sagt deutlich aus, dass der Hund nun nicht problemlos war. Er wurde mir mit Kettenwürger und einem Seil, das als Leine fungierte, übergeben. Dort, wo die Kette auflag, war das Grannenhaar abgewetzt und abgebrochen, Fellverfärbungen inklusive. Der doch eher zierliche Junghund war bei weitem kein Akita-Kaliber, hat aber gezogen wie ein Bulle (wesentlich mehr als mein Malamute-Pflegling, der mehr Masse mitbrachte, damals). Er hat natürlich niemals gelernt, nicht zu ziehen. Durch den Kettenwürger wurde das noch verstärkt (Strichwort „Oppositionsreflex“).

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Ich nahm ihn gleich ans Geschirr und das Ziehen war etwas abgeschwächter. Ich nannte den Kerl „Sora“, japanisch für „Himmel“ – wegen seiner wunderschönen, stahlblauen Augen. Sein verwaschenes Rot mit erkennbaren Urajiro mit dem Körperbau des Akitas, aber der Zierlichkeit eines Huskys, machten ihn zu einer wahren Augenweide.
Die sogenannten „Huskitas“ haben Hochkonjunktur und sind eine grauenvolle Mischung, obwohls ie besondere Schönheiten sind.
Im besten Falle ruhige, wesensfeste Hunde, mit weniger Bewegungsbedürfnis als das eines reinrassigen Siberian Huskys, aber der Freundlichkeit und Verträglichkeit desselben, im schlechtesten Fall hingegen ein ständig unausgelasteter Halbakita, mit Artgenossenunverträglichkeit und einem sehr schwer zu kontrollierenden Schutzverhalten und ein Hund, der einfach nicht alleine bleiben kann.

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Sora lag dabei irgendwo dazwischen. Natürlich, er war ein Junghund ohne Regeln, er hatte sein Päckchen zu tragen und er war bisher bei Menschen gelandet, die sich dieser Rassemischung nicht bewusst waren. An sich passen diese Hundetypen gut zusammen, allesamt Nordische mit eigenem Kopf. Nun ist der Akita-Kopf aber ein anderer als der Husky-Kopf. Beide verweigern sich schnell, keine Frage, aber man muss Vertreter beider Rassen einmal vor sich gehabt haben, um zu verstehen, was ich meine.
Da ich mit den Shibas gesegnet wurde, habe ich bereits eine große Toleranz und davon profitierte Sora. Mir ging seine Hibbeligkeit und seine extreme Anhänglichkeit aber, offen gestanden,  dennoch sehr schnell auf die Nerven. Das war meine Hauptbaustelle.
Das Schlitzohr war aber super intelligent – sowohl Segen wie auch Fluch. Erlernt Dinge wie ein Blitz, Positives wie Negatives.

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Trotz allem, der Hund war ein ganz besonderer. Binnen von Wochen bauten wir seine Frustrationstoleranz gemeinsam auf, Vertrauen wuchs und er hatte ein unglaubliches Potential. Vermittelt wurde er an junge Leute, die den richtigen Ehrgeiz besaßen, aber wenig Erfahrung mit den Nordischen. Zusammen mit einer kompetenten Trainerin erarbeiteten sie sich nun den Traumhund, denn er hat geschickt die Unerfahrenheit und überschwängliche Liebe für sich genutzt. Gewieft, dieser Sora, der nun passenderweise Loki heißt.

Man züchtet solche Hunde aber bitte nicht gezielt, denn ihr Potential kann auch in die andere Richtung gehen, was passiert wäre, hätte man Sora nicht aufgefangen.
Er war der anstrengenste Pflegehund bisher, den ich hatte, trotz meiner Vorliebe für bissige Hunde.
Hätte ich die Möglicheiten gehabt, hätte ich ihn aber auch gerne behalten. Er war ein Charmeur, ein Müllschlucker, ein sportlicher, aber dennoch genügsamer Begleiter (2 Stunden Spaß & Spannung waren bisweilen sogar fast zu viel für ihn), liebesbedürftig und weniger eigenständig als meine Shibas. Er wollte durchaus gefallen, erzwingen konnte man dies aber keinesfalls.

Schon bei Yoma habe ich die nötige Gelassenheit gelernt, Akuma brachte mir Geduld auf einer neuen Ebene bei. Ich habe schon lange nicht  mehr den Anspruch, perfekt erzogene Hunde zu haben. Akuma darf ruhig beim Türklingeln bellen und mir sagen, dass da jemand ist. Yoma braucht bei Freilauf keine Anweisungen von mir, meine Pfleglinge müssen nicht auf Biegen und Brechen therapiert werden.

Die nordischen Hunde müssen auch nicht überbeschäftigt werden, wie ihr Ruf fälschlicherweise vermuten lässt.
Sie wollen qualitative Beschäftigung, Bewegung und ausgedehnte Ruhephasen, sowie individuelle Zuwendung. Sie müssen nicht zu Ausdauersportlern hochtrainiert werden, um glücklich zu sein.

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Bête Noir: Die Kastration beim Rüden

Das Thema ist für mich mittlerweile schon zur Herzensangelegenheit geworden, auch wenn es blöd klingt. Ich beziehe ja gerne Stellung zu Themen und lebe weniger nach „Leben und leben lassen“, doch bei der Rüdenkastration bin ich wirklich unerbittlich. Ich verabscheue zutiefst, dass dieser Eingriff, diese Amputation als einfache Behandlung zwischendurch oder Allzwecktherapie dargestellt wird.

Ich glaube, das einzige, dass ich im (seriösen) Tierschutz nicht leiden kann, ist diese Haltung sinnlos herumzukastrieren und die Sterilisation als Alternative auszuschlagen, weil man irgendwelchen alten Theorien von wieder zusammenwachsenden Samensträngen auferliegt oder sich besser fühlt, wenn die Hoden ab sind. Auch wird geglaubt, Vermittlungen wären dadurch einfacher, weil der Rüde dann automatisch verträglicher sei. Dass dies absoluter Schwachsinn ist, wird verdrängt. Bei der Hündin geistern ähnlich dumme Geschichten im Netz und auf Hundewiesen, doch beim Rüden hängt an der Kastration noch ein längerer und dickerer Rattenschwanz.

Ich möchte gar nicht sachlich auf Vor- und Nachteile dieses Eingriffs eingehen, denn dazu gibt es ein wunderbares (wenn auch nicht ganz neutrales, aber immerhin nicht fanatisches und auch kein „Antikastrations“-) Buch von Dr. Gansloßer und Frau Strodtbeck, das man zu dem Thema durchaus einmal lesen kann.

Ich kann nicht mehr lesen/hören, wenn ein Jungrüde (bei „Spätentwicklern“ können auch 3-jährige Rüden noch sehr jugendlich im Kopf sein) sofort kastriert werden sollte, wenn er irgendwas besteigt, weil er so furchtbar leide. Auch das Festschnuppern an Hündinnenurin muss sofort durch das Abschneiden der Hoden beseitigt werden oder das Imponieren unter Rüden. Sicherlich, es gibt sie, die Hypersexualität, bei der der Hundemann tatsächlich leidet, aber sie ist selten. Und auch wenn viele Menschen es nicht glauben, ihr pubertierender, gerade die Sexualität entdeckender und imponierender Junghund ist nicht hypersexuell, sondern ein ganz normaler Hund, der eben auf dem Weg des Erwachsenwerdens ist. Viele der etwas nervenaufraubenden Verhaltensweisen lassen sich mit Geduld und durchdachtem Training bereinigen bzw. überbrücken. Die Kastration ist aber eine irreversible Verstümmelung. Liegt kein medizinischer oder/und verhaltentherapeutischer Grund vor, ist eine Kastration abzulehnen. Kastriert man einen heranwachsenden Menschen von 15 Jahren, weil er sich vermehrt für junge Frauen interessiert und die ein oder andere Dummheit macht? Weil er umtriebiger und eigenständiger wird?

Herrgott, man hat doch die Leine im wahrsten Sinne des Wortes IN DER HAND. Habe ich einen verliebten Jungspund, dann leine ich ihn einfach nicht ab und schon kann er nicht unkontrolliert seinen Samen verbreiten (davon abgesehen lässt nicht jede Hündin jeden Rüden an sich heran, auch nicht in der Standhitze!).

Rüden werden auch nicht per se „unverträglich“, sie sind eben nur keine Kinder mehr, die andere Kinder als potentielle Spielpartner wahrnehmen, sondern sich aussuchen, mit wem sie Kontakt aufnehmen möchten. Natürlich wird es dann unbequem auf den Hundewiesen, wenn der eigene Hund nicht mehr „Spieli-Spieli“ machen will, sondern auch durchaus einmal auf den Tisch haut. Solange dies nicht zu laut oder gewaltsam ist, ist dagegen nicht einmal etwas einzuwenden. Zwei Rüden, die sich gegenseitig zu imponieren versuchen, kann man als Halter beibringen, dass sich ein souveräner Hund nicht schlagen muss.

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(Intakter Junghund tobt mit inaktem, erwachsenen Rüden. Zusammenführung und Charaktere, sowie Sozialisation und Training können dies positiv beeinflussen)

Hunde in diesem Alter werden oft und gerne weggegeben, weil sie nun „Probleme“ machen. Viel zu viele Hundetrainer und von der Weisheit geküsste Laien raten zur Kastration. Magisch verschwinden die Probleme… oder eben auch nicht. Ist die Aggression des jungen Helden nämlich nicht sexuell motiviert, kann die Kastration im schlimmsten Fall die Aggression gegen Hunde begünstigen. Das „böse Sexualhormon“ Testosteron hat nicht nur eine Aufgabe, es ist in ständiger Wechselwirkung mit anderen Botenstoffen. Ist der Hund angstaggressiv, kann der Wegfall bzw. Reduktion von Testosteron den Hund unsicherer machen. Selbst wenn sich die Kastration nicht negativ auswirken sollte, ersetzt sie das benötigte Training nicht. Das Verstümmeln des Tieres war „nur“ völlig umsonst.

Ich kann gar nicht zu oft betonen, dass der Wunsch nach schnellen Lösungen in Hundehalterkreisen mitunter schuld ist, dass es schon fast unnormal ist, einen unkastrierten Rüden zu halten.
Es geht teilweise sogar soweit, dass man als verantwortungsloser Idiot abgestempelt wird, weil man damit Tierleid begünstige: man würde Tiere sich unkontrolliert vermehren lassen. Die Alternative Sterilisation wird totgeschwiegen, mystifiziert oder aber schlechtgeredet (von „erhöhtem Hodenkrebsrisiko“ ist da die Rede; die Wahrheit, dass das Risiko genauso hoch ist, wie bei einem nicht sterilisierten Rüden, will nicht gehört werden. Warum sollten sich dann Männer einer Vasektomie unterziehen?), statt als adäquate Lösung betrachtet zu werden.
Meine persönliche Vermutung ist, dass die Sterilisation zwar das unkontrollierte Vermehren bekämpfen kann, aber nicht die bequemen Begleiterscheinungen mitbringt wie die Kastration. Man muss sich nicht mehr mit dem Sexualverhalten der Hunde auseinandersetzen.

Natürlich werfe ich nicht alle Halter von kastrierten Hunden in einen Topf (ich habe selbst einen kastrierten Rüden – allerdings so aus dem Tierschutz übernommen). Es gibt Hunde da ist sie nötig und es gibt viele Hunde im Tierschutz, die unkastriert nicht weitergegeben werden.

Ganz besonders wichtig sind mir die Punkte Stress und Schilddrüsenunterfunktion. Gerade bei Wattebauschwerfern ist Stress ein Grund auszuflippen. Vom Hund soll er ja ferngehalten werden. Bei gewissen Problemen bzw. in noch unlösbaren Situationen für den Hund sollte das so gehandthabt werden. Auch unnötiger Stress darf kleingehalten werden. Doch einen Hund zu kastrieren, weil er dann weniger Stress hat, ist unverantwortlich und kurzfristig gedacht. Vielleicht ersetzt man die eine Baustelle dann gegen eine andere, die am Ende noch schwerwiegender ist.
Kastrationen können als Nebenwirkung bei Hunden zur Schilddrüsenunterfunktion führen – die auch aus verhaltenstherapeutischer Sicht bei Auffälligkeiten immer wieder als Ursache diagnostiziert werden kann.

Ja, ich gebe zu: Die Kastration ist mir ein Dorn im Auge, weil sie oft unnötig ist. Auch weil mir die Bequemlichkeit mancher Zeitgenossen auf den Geist geht. Ich selbst habe schon mehrmals erlebt, wie anstrengend junge Rüden sein können – ich lebe immer noch und nehme sie dennoch auf. Und muss manchmal lachen und weinen zugleich, wenn sich der potente „Dominanzbolzen“ als normaler Jungrüde herausgestellt hat, der auch ohne Kastration lernwillig war und sein Verhalten ändern konnte.

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(Rüden-Freundschaften zwischen potenten Tieren)